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Finanzen

Zinsfalle Bankkredit

Haben Sie einen Kreditvertrag mit einer Bank oder Sparkasse abgeschlossen und sich für eine variable Verzinsung des Kredites entschieden? Die Frage hat folgenden Hintergrund: Oftmals stellt sich dieser vermeintliche Vorteil als Zinsfalle heraus. Die meisten Banken sind in der Vergangenheit mit der Zinsanpassungspflicht nach „Gutsherrenart“ verfahren. Zinsen steigen schnell, fallen langsam. Folge: Vielen Kunden wurden Zinsen in Höhe von bis zu mehreren zehntausend Euro zu viel berechnet.

Zinsfalle Bankkredit

Überzahlungen zurückholen

Die Chancen für eine nachträgliche Rückzahlung stehen in der Regel sehr gut. Hierzu ein Beispiel aus dem Jahr 2010: Ein Apotheker aus dem Rheinland schloss mit einer den Apothekern und Ärzten nahestehenden Bank einen Kredit in Höhe von 500.000 Euro ab. Aufgrund der Vereinbarung einer variablen Verzinsung wurden ihm ca. 28.500 Euro von der Bank erstattet. Anschließende Nachprüfungen ergaben, dass ein weiterer Rückerstattungsanspruch von ca. 175.000 Euro bestand.

Statistiken belegen, dass etwa 80 Prozent aller variablen Kredite zu Lasten der Kunden nicht korrekt angepasst wurden und werden. Jeder Kreditnehmer sollte deshalb seine Kredite prüfen lassen, idealerweise unter Zuhilfenahme eines versierten Beraters.

Erfahrungen aus der Vergangenheit haben gezeigt, dass der allgemeine telefonische oder persönliche Kontakt des Kunden mit der Bank oder der Sparkasse zu diesem Thema erfolglos blieb. Ohne Hilfe eines Experten hat man bei der Bank zu Rückerstattungsansprüchen aus variabler Verzinsung von Darlehen kaum eine Chance. Dies betrifft übrigens auch solche Kredite, deren Festzins nach Ablauf der Zinsbindungsfrist variabel weitergeführt wurde (also keine neue Zinsvereinbarung abgeschlossen wurde).

Grundlage des Rückzahlungsanspruches

Die Grundlage eines Rückzahlungsanspruches ist eine Zinsanpassungspflicht der Bank. Den Modus der Zinsanpassung regelt die Zinsanpassungsklausel im Kreditvertrag. Doch viele dieser Klauseln sind ungenügend definiert. Formulierungen wie z.B. „Die Bank kann die Zinsen anheben, wenn dies das Marktgeschehen erfordert“ sind rechtlich unzureichend. In vielen höchstrichterlichen Gerichtsentscheidungen wurde festgestellt, dass der Bankkunde einen Anspruch auf Weitergabe der Zinssenkungen gemäß der Entwicklung am Kapitalmarkt hat.

Die Gerichte orientieren sich dabei an dem Referenzzinssatz, dem sogenannten Euribor. Dies ist der Zinssatz, zu dem sich die Banken untereinander Geld leihen. Entscheidend ist die bei Kreditabschluss vorhandene Relation von Nominalzins und Referenzzins. Dieses Verhältnis muss über die gesamte Finanzierungsdauer gleich bleiben. Verändert sich im Laufe der Zeit der Referenzzinssatz im Vergleich zum Zeitpunkt des Vertragsabschlusses oder zur letzten Anpassung nicht unwesentlich, so ist eine Zinsanpassung obligatorisch, d.h. verbindlich. Die Bank hätte also weniger Zinsen verlangen dürfen. Da diese aber von den Kreditnehmern bezahlt wurden, können diese Überzahlungen zurückgefordert werden.

Zinseszins erhöht die Rückforderung

Bei Rückforderungen ist der Zinseszins zu berücksichtigen. Nicht selten macht dieser bei vielen Jahren Rückerstattungsanspruch bis zu 30 Prozent der Gesamtforderungen aus. Die Beweislast, dass die der Abrechnung gegenüber dem Kunden zugrunde gelegten Zinssätze der Richtigkeit entsprechen, trägt übrigens die Bank. Eine Überprüfung der Kreditverträge auf die in Ansatz gebrachte Zinshöhe kann somit bares Geld wert sein. Und das auch bei bereits getilgten Darlehen.


Andreas_Gessner

Andreas Geßner
Unternehmensberater, Diplom-Betriebswirt seit 1994. Schwerpunkt: Überprüfung von Bankkrediten und Anschlussfinanzierungen. Spezialisiert auf Apotheker, Ärzte, Zahnärzte in ganz Deutschland.