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Generation Y:

„Was der Nachwuchs wirklich will“

Sie ist mit dem Internet groß geworden, ist qualifiziert, selbstbewusst und weiß genau, was sie will: „Generation Y“ drängt jetzt auf den Arbeitsmarkt. Doch diesen Berufsanfängern geht es nicht mehr (nur) um Erfolg, Verantwortung und Karriere: Sie stellen an einen Job ganz andere Ansprüche. Was erwarten junge Nachwuchskräfte heute von ihren Arbeitgebern? Und wie können diese auf entsprechend veränderte Vorstellungen reagieren? Ein Interview mit Stephan Teuber, Vizepräsident beim Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU e.V.) und Personalmanagement-Experte.

„Was der Nachwuchs wirklich will“
Stephan Teuber
Loquenz Unternehmensberatung GmbH
 
Telefon: 0711/7585-77 870
Telefax:
E-Mail: stephan.teuber@loquenz.de
 
Adresse: www.loquenz.de
 
 
„Was der Nachwuchs wirklich will“
Vizepräsident des BDU
futuremynd: Für die Generation Y ist es wichtig, im Team zu arbeiten. Geld und Chefposten stehen nicht mehr bei allen an erster Stelle. Ist dies ein Trend, den auch Sie als Personalmanagement-Experte beobachten?

Stephan Teuber: Ja, der Trend, dass nicht Karriere und Geld, sondern eher die Sinnhaftigkeit meines Tuns im Vordergrund steht, das zeichnet sich in der Tat sehr eindeutig ab. Sie finden natürlich auch immer noch die jungen Leute, die rasch einen beruflichen Aufstieg machen wollen. Aber im Zentrum steht bei vielen die Frage: Wie befriedigend ist meine berufliche Tätigkeit? Macht sie nur für den Betrieb Sinn oder kann ich mit meiner Persönlichkeit und meiner beruflichen Qualifikation voll und ganz hinter meinem Arbeitgeber stehen? Für die Generation Y ist das Thema Karriere eine Folge von Engagement. Und nicht mehr Selbstzweck im Hinblick auf die reine Aufstiegsorientierung.

futuremynd: Häufig ist auch die Rede davon, dass der Job Spaß machen soll. Ist das neu?

Stephan Teuber: Das Wort Spaß ist sicher neu und irritiert auch viele ältere Kollegen, aber genau das ist damit gemeint. Es geht vor allem darum: Passt die Arbeit zu meinem Wertesystem und zu meinem Tun in der Gesellschaft?

futuremynd: Wie nehmen Sie denn die Ziele und Wertvorstellungen der jungen Leute in Ihrer Beratungspraxis wahr?

Stephan Teuber: Sie planen ihr Leben – und besonders das Berufsleben – deutlich kurzfristiger, als wir das von anderen Generationen bislang gewohnt waren. Wichtig ist erst einmal, was die nächsten drei, sechs, neun, zwölf Monate für mich sinnvoll ist. Eine gute Balance in der Dynamik zwischen dem Privatleben mit Familie, Partnerschaft oder Hobbys und dem beruflichen Engagement wird ausdrücklich gewünscht und aktiv eingefordert. Die Betriebe müssen sich hierauf einstellen, selbst wenn die Schwerpunktsetzung sich von Jahr zu Jahr leicht verändern mag.

futuremynd: Sehen Sie hier ein Konfliktpotenzial in den Unternehmen? Die Chefs der alten Schule dürften doch eher noch konventionelle Wertvorstellungen vertreten und vorleben.

Stephan Teuber: Auch die allgemeinen Wertvorstellungen verändern sich ja allmählich. Das bedeutet für mich als Chef: Ich muss überhaupt mitbekommen, was meine jungen Mitarbeiter bewegt. Zuhören und Verstehen sind daher wichtige Führungsaufgaben. Erst dann kann ich beispielsweise Arbeit so organisieren, dass sich Wertvorstellungen des Mitarbeiters berücksichtigen lassen. Das klassische „command and control“ – also klare Ansage seitens der Führungskraft und Ausführung durch den Mitarbeiter – wird zumindest von der jüngeren Generation nicht mehr akzeptiert.

futuremynd: Wie verändert sich dadurch aus Ihrer Sicht die Führungskultur in den Unternehmen? Müssen die Chefs komplett umdenken?

Stephan Teuber: Da bin ich mir gar nicht mal so sicher. Aber sie müssen den Aspekt des „Mitnehmens“, und damit eine neue Kultur im Zusammenarbeiten, stärker beachten und im beruflichen Miteinander auch tatsächlich leben. Führen heißt, für Verständnis bezüglich der Zielsetzung sorgen, in Diskussion sein, Reflexion zu unterstützen, eben seine Mitarbeiter „mitnehmen“. Es gibt nicht mehr das ausgeprägte Machtgefälle zwischen Chef und Mitarbeiter. Hinzu kommt: Ein Chef, der kein ausreichendes fachspezifisches Know-how besitzt, wird von seinen Mitarbeitern nicht mehr akzeptiert.
futuremynd: Kann sich diese Generation derartige Ansprüche, also die Kultur in den Unternehmen derart zu beeinflussen, überhaupt leisten?

Stephan Teuber: Ich würde anders herum fragen: Können es sich die Betriebe leisten, die Ansprüche der Generation Y nicht ernst zu nehmen? Die guten jungen Leute haben eine so breite Auswahl, dass die Betriebe heute schon eher für sich Werbung machen müssen. Diese komfortable Situation für die Bewerber wird sich in den nächsten Jahren aufgrund der demografischen Entwicklung noch verschärfen. Wir stehen erst am Anfang eines Kandidatenmarktes mit gravierenden Veränderungen für das Recruiting von Unternehmen.

futuremynd: Was müssen die Betriebe also bieten, um sich als attraktiver Arbeitgeber zu präsentieren? Firmenwagen, Titel, Einzelbüros?

Stephan Teuber: Vielleicht zieht das Smartphone heute sogar noch eher. Aber das können die jungen Leute auch aus der eigenen Tasche bezahlen. Nein, es geht um die Art der Tätigkeit. Sie muss herausfordernd und befriedigend zugleich sein. Und es geht um die Abwechslung und um ein agiles Zusammenarbeiten. Dass man zum Beispiel nach, sagen wir anderthalb Jahren die Möglichkeit hat, eine neue Herausforderung anzupacken. Im Idealfall sollte dies mit einer sehr guten persönlichen Entwicklungsmöglichkeit kombiniert sein, zum Beispiel durch Weiterbildung.

futuremynd: Und welche neuen Anforderungen ergeben sich bezüglich der Arbeitsplatzgestaltung?

Stephan Teuber: Bedeutung hat unter anderem, wie variabel mein Arbeitsplatz bezüglich Ort, Zeit und der beteiligten Personen ist. Dadurch wird parallel die Herausforderung für die Unternehmen in Bezug auf die Arbeitsorganisation immer größer. Es ist für einen jungen Kollegen relativ egal, von wo aus er arbeitet. Und ihm ist auch relativ egal, wie lange er braucht, um das Ergebnis zu erzielen. Er will das Ergebnis erzielen. Und das heißt auch, Vertrauen und Kontrolle im Arbeitsprozess muss stärker am Ergebnis orientiert sein, nicht am Bemühen.

Stephan Teuber
Stephan Teuber gründete 1990 die Loquenz Unternehmensberatung GmbH in Leinfelden-Echterdingen. Seine persönlichen Tätigkeitsschwerpunkte sind Change-Management-Beratung, Executive-Coaching sowie die Förderung resilienter Unternehmenskulturen. Teuber ist im Remstal bei Stuttgart aufgewachsen und war von 2005 bis 2008 Vorsitzender des Fachverbandes Personalmanagement im Bundesverband Deutscher Unternehmensberater (BDU e.V.). Mit Wirkung zum 1.Januar 2009 wurde er zum Vizepräsident im BDU e.V. gewählt. Darüber hinaus ist Teuber Autor und Herausgeber des „Praxishandbuch Coaching“ (2005) sowie Autor und Mit-Herausgeber des „Praxishandbuch Change-Management“ (2007).

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