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Elektronische Visa auf dem Vormarsch:

Vorteile ja – Nachteile nicht ausgeschlossen

Verschiedene Länder haben die Vergabe von elektronischen Visa für touristische und teilweise auch geschäftliche Zwecke eingeführt. Unter anderem haben die USA, Sri Lanka und Australien diese „Electronic-Travel-Authorization“, kurz ETA oder ESTA, für alle EU-Bürger freigeschaltet. Das neue Verfahren bringt Vorteile, hat aber auch Schattenseiten.

Vorteile ja – Nachteile nicht ausgeschlossen
Björn Zander
Visafix-Visumagentur
 
Telefon: Tel.: 0211- 93 65 06-0
Telefax: Fax.: 0211-936506-20
E-Mail: bjoern.zander@visafix.de
 
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Vorteile ja – Nachteile nicht ausgeschlossen
Visafix-Visumagentur
Konsulatswege verkürzen sich, kurzfristig geplante Reisen werden möglich. Beides ist natürlich äußert positiv. Reisende können sich zügig einlesen und dank genauer chronologischer Abfrage und Beschreibung Visa selbst online beantragen – ohne Rücksprache mit Botschaften und Konsulaten! Um eine Registrierung vorzunehmen, ist es erforderlich, über das Internet einen Onlineantrag zu stellen. Gebühren für die Registrierungen, z. B. für die USA und Sri Lanka werden der eigenen oder der Firmenkreditkarte belastet. Kritisch ist allerdings, dass der Antragsteller über eine Kreditkarte verfügen und seine Daten online preisgeben muss. Des Weiteren ist bei der Eingabe der personenbezogenen Informationen höchste Konzentration geboten, um beim Einchecken am Flughafen Probleme oder gar eine Ablehnung zu vermeiden. Wurde ein Reisender einmal nach dem Versuch einer elektronischen Registrierung abgelehnt, kann er Visa nur noch mit persönlicher Vorsprache im Konsulat beantragen.

Es lauert die „Abzocke“

Immer wieder beschweren sich Reisende, „abgezockt“ worden zu sein. Beispielsweise wenn sie auf nicht-autorisierten Internetseiten gelandet sind, die den offiziellen Registrierungsvorgang nur vortäuschen. Die Folgen: hohe Kosten, kaum Datenschutz, keine Ansprechpartner und natürlich keine offizielle Registrierung! Unbedingt angeraten ist es deshalb, vor der Eingabe seiner persönlichen Daten die Internetseiten gewissenhaft auf Echtheit zu prüfen.

Worldbridge, VHS, CVAC und IGCS

Großbritannien hat vor mehr als drei Jahren damit begonnen, Indien folgte vor zwei Jahren – nun haben China und Russland nachgezogen: Worldbridge, IGCS, CVAC und VHS sind die Namen, mit denen es Antragsteller oder Sachbearbeiter zu tun haben, wenn es um die Visa-Beschaffung für Großbritannien, Indien, China oder Russland geht. Die Arbeit der Konsulate wurde ausgelagert – in vorgeschaltete „Visa-Application-Center“. Neue Büros und neue Mitarbeiter, meist angesiedelt in der Nähe der jeweiligen Landesvertretung, nehmen die Reisepässe und Dokumente zur Visumbeschaffung entgegen und leiten diese nach Prüfung weiter an das Konsulat. Ausgestellt wird das Visum also weiterhin in den Konsulaten. Dazu sind die Center-Mitarbeiter nicht berechtigt.

Deren Mitarbeiter vor Ort sind zwar gut geschult, bemühen sich, dem Antragsteller gerecht zu werden. Längere Öffnungszeiten, teilweise bis in den Nachmittag hinein, erleichtern sogar die Zeitplanung bei Antragstellung. Dennoch ist die Beantragung über professionelle Visa-Agenturen ratsam: Sie können Anträge besser verfolgen, können Antragstellern anderweitige Rückversandoptionen anbieten und manchmal auch außerhalb der Norm Visa-Erteilungen durchsetzen.

Die Gründe für die Schaffung der Application-Center sind kaum nachzuvollziehen. Doch Kosten produzieren auch die Mitarbeiter in den Application-Centern. Einnahmen erzielen die Center über Gebühren von 9,90 Euro bis zu 35,70 Euro pro beantragtem Visum. Dies mag für den einzelnen Vorgang nicht besonders teuer erscheinen. Aber für ein mittelständisches Unternehmen mit einem Jahresbedarf von ca. 2.000 Visa beläuft sich die Mehrbelastung auf über 35.000 Euro!

Wie du mir, so ich dir ...

Beschweren dürfen wir uns allerdings nicht: Auch die deutschen Behörden haben in vielen Fremdländern eigene Visa-Application-Center eingeführt. Von den betroffenen Ländern, allen voran Russland, wurde das lange Zeit bemängelt. Frei nach der Regel „Wie du mir, so ich dir“ haben dann mehrere Länder mit Deutschland gleichgezogen.

Die Visumbranche: Aufbruch oder Zusammenbruch?

Die professionellen Visa-Agenturen konnten in der Vergangenheit alle diese Änderungen auffangen. Sie durften weiterhin in Vertretung die Anträge einreichen. Doch eine Entwicklung könnte Visa-Agenturen den Todesstoß versetzen: Vermehrt fordern Konsulate oder Application-Center Antragsteller auf, ihre Anträge persönlich vorzulegen, um dann gleichzeitig die Fingerabdrücke des Reisenden einscannen zu können. Abgesehen davon, dass man sich als Reisender allmählich kriminalisiert fühlt, stellt sich die Frage nach der rechtlichen Grundlage dafür. Zurzeit sind es noch wenige Konsulate, die diese Form der Beantragung wählen. Sollte diese Praxis jedoch bei den elektronischen Visa fortgesetzt werden, dürfte dies die Existenzgrundlage professioneller Visa-Agenturen vernichten.
Björn Zander
Björn Zander (43) verbrachte einen Teil seiner Kindheit und Schulzeit in England. Später absolvierte er in Deutschland bis 1993 zunächst eine Ausbildung zum Groß- und Außenhandelskaufmann. Noch im gleichen Jahr gründete Zander die VISUMAGENTUR VISAFIX und wurde ihr Geschäftsführer. Das Unternehmen ist an den Standorten Düsseldorf und Frankfurt aktiv und beschäftigt heute zwölf Angestellte. Zum Leistungsportfolio der Agentur gehören Visumbeantragungen weltweit, Legalisierungen sowie die Besorgung von Einladungen aus dem Ausland. Björn Zander ist seit 2011 Mitglied im Verband Deutsches Reisemanagement e.V.

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