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Frauenspezifische Reiserisiken:

Verkehrsmittel … oder Falle?

Die Zahl weiblicher Geschäftsreisender ist in den vergangen Jahren rapide gestiegen. Und zweifellos sind Frauen – neben den normalen Gefahren jeder Reise – anderen Risiken ausgesetzt als ihre männlichen Kollegen. Doch was lässt sich, auch präventiv, tun? Worauf ist besonders zu achten? Und: Wie steht es um die Aufgaben des Arbeitgebers?

Verkehrsmittel … oder Falle?
Manuel Weller
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Verkehrsmittel … oder Falle?
ASI-Europe
An der Rezeption warten – wozu? Es waren doch nur ein paar Schritte vom Hotel bis zum Taxistand. Doch als die Frau in die Seitenstraße einbog, riss ein Mann ihr blitzschnell die Handtasche von der Schulter. Die elegante Travel Managerin schlug hart auf dem Boden auf, hatte den Täter noch nicht einmal gesehen. Ein Raub wie dieser ist kein Einzelfall – und er kann sich in vielen Ländern ereignen.

Die Welt der Geschäftsreisen hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Für Unternehmen jeder Größenordnung haben fremde Märkte, auch in Krisengebieten und abgeschiedenen Teilen der Welt, an Bedeutung gewonnen. Wer das unternehmerische Glück im Ausland sucht, unternimmt folglich auch internationale Geschäftsreisen. Doch Vorsicht: Jede Reise birgt auch ihre Risiken, insbesondere für Frauen. Während 1970 nur etwa ein Prozent der Geschäftsreisenden weiblich war, sind es heute rund 40 bis 50 Prozent. Und laut einer nicht repräsentativen Umfrage fühlen sich fast drei Viertel der befragten Geschäftsfrauen darauf nicht ausreichend vorbereitet. Viele Firmen unternehmen zu wenig, um den persönlichen Sicherheitsbedürfnissen ihrer Mitarbeiterinnen gerecht zu werden. Dabei können Unternehmen bereits mit geringem Aufwand dazu beitragen, gefährliche Situationen zu vermeiden – und damit Vertrauen gegenüber der Sicherheitsarchitektur des eigenen Unternehmens zu schaffen. Aber wie?

Frauen: anders als Männer

Sicherheit auf Reisen kann für „ihn“ etwas ganz anderes bedeuten als für „sie“. Vor diesem Hintergrund sollten Arbeitgeber auch emotional vorgebrachte Sicherheitsbedenken ihrer weiblichen Angestellten ernst nehmen – auch deshalb, weil sie in Teilen begründet sind. Die größten Sorgen unter reisenden Frauen bestehen darin, in gefährliche Situationen zu geraten, beziehungsweise darin wehrlos zu sein. Tatsächlich ist das allgemeine Reiserisiko für Frauen auf Geschäftsreise bedeutend höher als für ihre männlichen Kollegen: Eingeschätzt als „leichte Beute“, werden sie für Kriminelle besonders schnell zur Zielscheibe. Mögliche Gefahren, insbesondere für Frauen, sind sexuelle Gewalt und Menschenhandel, bis hin zu kulturell oder religionsbedingten Übergriffen. Natürlich ist das Gefahrenpotenzial einer Geschäftsreise auch vom jeweiligen Reiseland abhängig. Opfer einer Gewalttat zu werden, kann schwerwiegende psychische, aber auch physische Folgen für die Betroffenen nach sich ziehen und das Vertrauen ins eigene Unternehmen grundlegend erschüttern!

Kleine Tricks können Kriminelle fernhalten

Deshalb müssen sowohl vor als auch während einer Reise geeignete und individuell abgestimmte Maßnahmen ergriffen werden, um die Sicherheit der Reisenden bestmöglich zu gewährleisten – faktisch, aber auch individuell spürbar. Das fängt bereits bei der sorgfältigen Hotelauswahl und -buchung an: Während weibliche Reisende bei der Wahl ihrer Unterkunft ein besonderes Augenmerk auf Service und Sicherheit legen, geben sich Männer diesbezüglich oft verhältnismäßig anspruchslos. Frauenparkplätze, Frauenflure und andere spezielle Serviceangebote sind gute Indizien dafür, dass ein Hotel tatsächlich um die Sicherheit seiner weiblichen Gäste bemüht ist.

Auch während der Reise muss Frau vorsichtig sein. Kleine Tricks können helfen, potenziellen Tätern die Begleitung durch weitere Personen vorzutäuschen – oder aber die eigene Abwesenheit zu verschleiern. Auch außerhalb des Hotels lässt sich so einiges für die eigene Sicherheit tun: Frauen in männlicher Begleitung oder in Gruppen werden für Kriminelle unattraktiver. Frau sollte deshalb, im Rahmen des Möglichen, die Gesellschaft verlässlicher Bekannter suchen, einsame Gegenden meiden und belebte bevorzugen. Auch die Wahl des Verkehrsmittels will durchdacht sein: Bus und Bahn gelten – je nach Land – als verhältnismäßig unsicher. Allerdings können sich in manchen Ländern auch Taxen für unbegleitete Frauen als gefährliche Falle entpuppen. Frauentaxen, die es mittlerweile in vielen Großstädten gibt, sind hier eine sichere Alternative: Sie haben sich auf das Sicherheitsbedürfnis ihrer weiblichen Fahrgäste spezialisiert.

Wichtig: die richtige Vorbereitung

Eher technische Sicherheitsmaßnahmen allein helfen allerdings nicht weiter. Bereits einfache Verhaltensweisen können potenzielle Täter abschrecken und wirken so vorbeugend. Wichtige Signalgeber vor Gefahren sind der gesunde Menschenverstand, angemessene Vorsicht und die bekannte Intuition der Frau. Kommt Unsicherheit auf, sollte man ruhig und gelassen reagieren, aber nicht zögern, im Zweifelsfall Hilfe anzufordern beziehungsweise Unterstützung zu erbitten. Wer gut auf die Gegebenheiten seiner Umgebung vorbereitet ist, sich unauffällig verhält und seinem Instinkt vertraut, ist auf Geschäftsreisen gut beraten.

Schulungen legen den Grundstein

Ohne Schulungen fällt es allerdings schwer, Gefahren rechtzeitig zu erkennen und kritischen Situationen auszuweichen. Aus diesem Grund sind speziell auf das Reiseland sowie auf die Bedürfnisse der reisenden Person abgestimmte Schulungen angeraten. Entsprechende Angebote gibt es viele. Unternehmen mit geringer Reisequote ziehen solchen externen Lösungen allerdings oft individuelle Briefings in Eigenregie vor. Doch auch, wenn diese Methode prinzipiell ausreichend sein kann: Anders als professionellen Dienstleistern mangelt es vielen Unternehmen an Fachwissen bezüglich geschlechtsspezifischer Besonderheiten und fundierter Sicherheitsunterweisungen. Auch Quellen wie das Auswärtige Amt oder andere öffentliche Plattformen reichen meist nicht aus, da sie dem Bedürfnis weiblicher Reisender kaum gerecht werden. Deshalb sollte jedes Unternehmen erwägen, auch externe Dienstleister in das eigene Reisesicherheitskonzept einzubinden. Nur wer die Risiken kennt und entsprechende Maßnahmen verinnerlicht hat, wird sich auf Reisen angemessen verhalten – und kann so böse Überraschungen vermeiden.

Darauf sollten weibliche Geschäftsreisende achten:

    Vor der Reise:

  • Buchung ohne Vornamen und ohne Privatadresse
  • Wahl eines Hotels mit angemessenem Sicherheitsstandard
  • Zimmerwahl zwischen 2. und 5. Stockwerk
  • Neutrales Gepäck
  • Abholung am Flughafen etc. organisieren

    Im Hotel:

  • 15-Sekunden-Hotelzimmer-Check
  • Vorhänge zuziehen, „Do not disturb“-Zeichen aushängen
  • Männertypische Utensilien auslegen
  • Gäste immer an der Rezeption empfangen
  • Beim Verlassen des Zimmers Licht und TV angeschaltet lassen, Hotelschlüssel immer mitführen

    Außerhalb des Hotels:

  • Nicht allein, sondern nur in Begleitung ausgehen
  • Nähe zu anderen Frauen oder Personengruppen suchen
  • Keine Einladungen von Fremden annehmen
  • Öffentliche Verkehrsmittel meiden
Manuel Weller
Manuel Weller wurde 1991 im hessischen Fulda geboren und begann nach dem Abitur ein Studium an der Hochschule für Öffentliche Verwaltung Bremen im Bereich „Risiko- und Sicherheitsmanagement", das er 2013 mit dem Bachelor of Arts abschließen wird. Bereits seit 2007 arbeitet Manuel Weller freiberuflich als Journalist und Fotograf und ist seit 2012 als Online-Redakteur für die mybreev GmbH tätig.


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