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5. Zukunftswerkstatt VDR-TrendsPort:

Statt verzagen, Zukunft wagen!

„The Trend is your Friend“, weiß die Börse. Und Gleiches gilt auch in der Wirtschaft: Unternehmen, die Trends frühzeitig als strategische Orientierung zu nutzen wissen, sind erfolgreicher! Grund genug für die Arbeit des 5. VDR-TrendsPort. Zukunft greifbar machen: futuremynd war dabei.

Statt verzagen, Zukunft wagen!
„Das haben wir schon immer so gemacht“ – dass dieses Prinzip nicht funktioniert, hat die Geschäftsreisebranche früh erkannt. Und wenn Ludger Bals zum jährlichen „Think Tank“, dem VDR-TrendsPort ruft, kommt deshalb jeder, der es irgendwie einrichten kann. So auch Jochen Rathei von DERTOUR: „Bals brauchte noch einen Hotelfuzzi“, erklärt er augenzwinkernd. „Also, hier bin ich!“ Rathei winkt Claudia Langhoff von der Deutschen Bahn zu, mit der er in einer von vier Arbeitsgruppen die Mobilität im Jahr 2025 antizipiert. Sie stehen vor einer Metaplanwand und diskutieren im Szenario B die Bereiche „Technik“, „Gesellschaft und Individuum“ sowie „Umwelt und Ökologie“.

Die Stimmung im „Gräflichen Park Hotel“ in Bad Driburg ist freundschaftlich und offen. Marcus Graf Oeynhausen-Sierstorpff hat auf seinem weitläufigen Gutshof zwischen Hannover und Kassel eine Tagungsstätte geschaffen, hervorragend geeignet, die räumliche und geistige Distanz zum Tagesgeschäft zu fördern. In diesem Ambiente macht es den Teilnehmern sichtlich Spaß, unter der Regie von Ludger Bals Zukunft vorzudenken: „Mal angenommen, virtuelle Mobilität, sprich Internet und Videokonferenzen, ersetzt künftig den persönlichen Austausch ...“ „Das ist zwar ein erfreuliches Szenario für den Finanzvorstand“, wirft Carsten Czub ein, „widerspricht aber jeglicher Erfahrung. Der klassische persönliche Austausch wird weiterhin hohe Bedeutung haben. Aufbau von Industrieanlagen, ihre Wartung, das Servicegeschäft: Das geht einfach nicht ohne reisende Spezialisten!“

Erst erkennen, dann handelnEinmal im Jahr ist Bals so etwas wie der Steven Spielberg der Geschäftsreisebranche. Im TrendsPort Workshop des VDR inszeniert er Zukunft. Im Unterschied zu Hollywood sind bei Bals allerdings alle 16 Teilnehmer Hauptdarsteller. Und denen lässt Bals jede Menge Spielraum: Keine Idee wird zurückgewiesen. Jeder Gedanke ist erlaubt. Seine „breit gesteckten Leitplanken“ helfen, Ideen zuzuspitzen. Der Showdown am Schluss des Workshops ist selbst für den Regisseur noch unbekannt. Da verlässt er sich auf seine Kollegen, ihre Erfahrungen und ihre visionäre Kraft. Die Trends, welche Mobilität mittel- bis langfristig beeinflussen können, gilt es erst später zu formulieren. „Wir wollen Zukunft im Detail fühlen, riechen und schmecken“, stachelt er die Kollegen an. „Versucht es zu leben bis in die letzte Konsequenz!“

Nicole Habich-Pfeifer arrangiert mit einem blauen Seil auf dem Boden einen Kreis. „Wenn ihr eure Zukunftsvisionen formuliert habt, kommt bitte in diesen Kreis“, wirbt sie für ihren symbolischen Ideen-Verstärker. Es verlangt ein bisschen Überwindung, aus diesem Kreis heraus für die anderen Teilnehmer Zukunft zu manifestieren. Soll man den deutschen Mega-Autokonzern tanzen? „Das liegt ganz an euch“, sagt Habich-Pfeifer aufmunternd. Bals nickt zufrieden und selbstbewusst: Hatte ihm doch vor einiger Zeit der leitende Mitarbeiter eines großen Unternehmens bewundernd zugeflüstert, dass die eigene Zukunftsforschung – ausgestattet mit zahllosen wissenschaftlichen Mitarbeitern, den neuesten Statistikprogrammen sowie Zeit, Geld und Papier verschlingenden Studien – Zukunft nicht wirklich genauer bestimmen könne als er, Ludger Bals und seine Kollegen!
Der Verband Deutsches Reisemanagement (VDR) ist ein eingetragener Verein. Der ständige Austausch untereinander leistet dadurch einen wichtigen Beitrag, um das übergeordnete Ziel – „effiziente, wirtschaftliche, sichere, ungehinderte, weltweite Reisemöglichkeiten von Unternehmen“ – auf breiter Basis umzusetzen. Bals weist darauf hin, dass seit 2008 im VDR-TrendsPort schon 60 Vertreter der insgesamt 550 VDR-Mitgliedsunternehmen zum Zuge gekommen seien – eine beachtliche Quote. Neben den VDR-Regionaltreffen und Treffen der Fachausschüsse ist der VDR-TrendsPort zweifelsfrei zum wichtigen Eckpfeiler im beständigen Austausch der Geschäftsreise-Experten geworden.

Natürlich weiß auch Bals, dass nicht alle künftigen Ereignisse prognostizierbar sind. Der Ausbruch des Eyjafjallajökull auf Island im April 2010 ist dafür nur ein Beispiel. Der Vulkan hatte den europäischen Flugverkehr mit seiner Aschewolke wochenlang behindert. Nah der Verzweiflung wetteiferten Geschäftsreisende damals um Mietwagen und Bahntickets. „Naturkatastrophen stehen heute aber nicht auf der Agenda“, sagt Bals. Die könnten immer wieder passieren, seien aber nur kurzzeitige Krisensituationen, die man irgendwie überbrücke. Relevanter sind da schon andere Fragen: Wie fühlt sich eine wachsende Eurozone an? Wie schmeckt uns eine trotz Euros protektionistische Kleinstaaterei? Wie sieht klimaneutrale, allgemein verfügbare Mobilität aus? Aus den Antworten heraus erfolgt eine gemeinsame Analyse, um sich auf Konsequenzen vorzubereiten. Und da der VDR ein starker, selbstbewusster Verband ist, wirkt so manche hier geborene Idee wie eine „Self-fulfilling prophecy“. Kommen Geschäftsreisende zur Erkenntnis, dass Elektromotoren die Zukunft des Reisens bestimmen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass diese Zukunft auch so eintreffen wird.

Nach der Konsequenzen-Analyse sind die Teilnehmer des VDR-TrendsPort aufgefordert, Chancen und Risiken für die gesamte Geschäftsreisebranche zu formulieren. Bals signalisiert seiner Kollegin Habich-Pfeifer, die nächste Runde der Diskussion einzuleiten. „Risiko ist durchaus nichts Negatives“ sagt Bals, „es verlangt eben bloß mehr Einsatz, um Risiken zu meistern. Chancen nutzen, das kann schließlich jeder!“ Der Mann hat Recht: Zukunft will gewagt sein.

VDR und der Think Tank VDR-TrendsPort

Der VDR vertritt mit seinen Mitgliedsunternehmen einen Gesamtumsatz im Geschäftsreisebereich von jährlich mehr als zehn Milliarden Euro. Die 16 Teilnehmer des Workshops repräsentieren rund 550 Unternehmen aller Branchen und Größenordnungen. Dazu gehören deutsche Wirtschaftsunternehmen, aber auch Leistungsanbieter wie große Luftverkehrsgesellschaften, Hotelketten, Autovermieter, die Bahn und andere Dienstleister für geschäftliche Mobilität.


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