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Googles „Project Glass“:

Smartphone vorm Auge?

Google arbeitet an einer Brille, die künftig die Funktionen von Smartphones übernehmen soll. Science Fiction oder morgen schon Realität? Völlig offensichtlich: Der Trend zur „Augmented Reality“, zur „erweiterten Realität“ passt hervorragend zu diesem Datenbrillenkonzept.

Smartphone vorm Auge?
Auf der diesjährigen Entwicklerkonferenz Ende Juni in San Francisco präsentierte Google erste Prototypen seiner neuen Datenbrille, die im Rahmen des „Project Glass“ entwickelt wird. Die Entwicklerversion Google Glass Explorer Edition ist für stolze 1.500 Dollar erhältlich und wird Anfang 2013 ausgeliefert. Diese Vorversion verfügt bereits über eine eingebaute Kamera und ein Mikrofon zur Aufnahme von Fotos und Videos sowie ein im rechten Brillenglas integriertes Head-up-Display zu deren Wiedergabe. Die Befehlseingabe erfolgt über ein Touchpad im Brillenbügel.

Mit welchem Funktionsumfang und zu welchem Preis die Endkundenversion voraussichtlich 2014 in den Handel kommt, steht noch nicht fest. Google betont aber, dass es primär um das Streamen von Fotos und Videos gehe, die dann über WLAN oder Bluetooth ins Internet gestellt werden können. In einem bereits veröffentlichten Konzeptvideo wird allerdings sehr viel mehr Funktionalität gezeigt: Kamera, Mikrofon, Sprachsteuerung, Gyroskop zur Steuerung über Nicken und Kopfschütteln, MP3-Player, Speicher, Kompass, GPS, (Video-)Telefonie, SMS, Internet – im Grunde also ein vollwertiges Smartphone mit jeder Menge Augmented-Reality-Anwendungen.
Diese Bildüberlagerung mit computergenerierten Zusatzinformationen oder virtuellen Objekten eröffnet nahezu unbegrenzte neue Anwendungsmöglichkeiten: Der Nutzer kann mit Google Glass praktisch alles Gesehene live streamen, Zusatzinformationen wie Navigationshilfen, Wettervorhersage oder Öffnungszeiten einblenden und nebenbei noch SMS und E-Mails lesen und beantworten. Damit macht Google sozusagen den ersten Schritt auf dem Weg zu einer nahtlosen Schnittstelle zwischen Mensch und Maschine.

In der Netzgemeinde werden diese Aussichten allerdings nicht nur positiv aufgenommen, es gibt durchaus auch viele kritische Stimmen. Analysten gehen davon aus, dass sich der Konzern mit konkreten Angaben auch deshalb zurückhält, weil man in der Google-Zentrale in Mountain View erst einmal abwarten will, wie das Konzept vom User angenommen wird. Steve Lee, einer der Google-Glass-Projektleiter, gab sich dagegen sehr optimistisch: Für ihn stehe fest, dass in drei bis fünf Jahren „Wearable Computing“ die Norm sein werde. Und dass man sich dann eher darüber wundern werde, wenn überhaupt noch jemand auf ein Gerät in der Hand schaue. Es bleibt also abzuwarten, wohin und wie schnell die Google-Reise gehen wird.


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