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Down Under in 90 Minuten

Projekt SpaceLiner:

Wahrlich ein verführerisches Konzept: In nicht allzu weiter Zukunft werden wir mit dem SpaceLiner fliegen können – von Europa nach Australien in nur 90 Minuten!

Projekt SpaceLiner:
Der SpaceLiner, wie ihn das Deutsche Zentrum für Luft- und Raumfahrt (DLR), Köln, vorsieht, soll wie ein Spaceshuttle vor dem Start aufrecht stehen und mit Raketentriebwerken auf seine Reise gehen. Die wiederverwendbare Booster-Stufe trennt sich nach dem ersten Schub vom sogenannten Orbiter. In dessen Kapsel finden 50 Passagiere Platz. Nach nur acht Minuten würde dann der Gleitflug beginnen – mit 20-facher Schallgeschwindigkeit. Die Landung nach rund 80 Minuten ist dann wie mit einem üblichen Flugzeug auf einer normalen Landebahn geplant.

Eine der großen technischen Herausforderungen ist die Kühlung des Raumfahrzeugs während des Flugs: Der SpaceLiner fliegt nach der Antriebsphase im Gleitflug und ist somit der Reibung in der Erdatmosphäre ausgesetzt. Es entstehen Temperaturen von über 1.800 Grad Celsius. Klar ist jetzt schon, dass der Start des SpaceLiners nur abseits bewohnter Gebiete ablaufen kann – und der Hochgeschwindigkeitsflug in großer Höhe stattfinden muss, um bewohnte Regionen vor dem Überschallknall zu schützen.

Der SpaceLiner soll etwa 66 Meter lang sein, seine Deltaflügel werden an der breitesten Stelle eine Spannweite von 33 Metern haben. Angetrieben wird er von zwei eigenen Raketentriebwerken. Zu Beginn des Sinkflugs wird ein Zusatztriebwerk gezündet, das nach dem Ausbrennen abgetrennt wird. Auch dieses Zusatztriebwerk hat Flügel und gleitet zur Erde zurück, ist also ebenfalls wiederverwendbar. Wie das Space Shuttle soll auch der SpaceLiner mit Wasserstoff und Sauerstoff fliegen. Der Einstieg der Passagiere erfolgt wie in ein konventionelles Flugzeug. Erst dann wird die Kapsel in die Senkrechte gedreht und in den SpaceLiner gehoben. Etwa acht Minuten braucht das Raketenflugzeug, um in eine Höhe von 65 bis 70 Kilometern aufzusteigen. Die Beschleunigung werde bei etwa 2,5 Gramm liegen. Das sei ohne Weiteres auszuhalten: Jede Achterbahn sei extremer.

Eine weitaus größere Herausforderung stellt die Akquise von Investoren dar. Projektleiter Martin Sippel weist stolz darauf hin, dass sich wohl ein neues Premium-Segment etablieren werde. Die Tickets für den Schnellflug nach Übersee werden nicht billig sein. Die Kosten liegen schätzungsweise bei 100.000 Euro oder sogar höher, vermutet der Fachmann. Ein bisschen Geduld müssen Interessenten mitbringen: Das Projekt SpaceLiner ist eine langfristige Vision – mit dem Start ist nicht vor 2050 zu rechnen.


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