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Strategisch wertvoll oder planlos?

Internet-Champions auf Einkaufstour

Google kauft …, Facebook kauft …, Yahoo kauft … kauft … kauft … Der US-amerikanische Turbo-Kapitalismus ist mal wieder in Bestform. Denn die Aktionäre der Internet-Champions werden ungeduldig. „Wachstum durch Expansion“ lautet der Schlachtruf. Die Kriegskassen sind gefüllt. Prospects reichlich vorhanden. Was macht eigentlich Amazon?

Internet-Champions auf Einkaufstour
Amazon kauft Double Helix, ein Entwicklungsstudio für Videospiele. Ist das Hinweis dafür, dass Amazon bald in den Hardwaremarkt für Spielkonsolen einsteigt? Über die Kaufsumme machte Amazon keine Angaben. Als einzige Kennzahl wurden 75 Mitarbeiter genannt. Dieser „Coup“ bedeutet also erst einmal keine Expansion. Dahinter steckt wohl eine strategische Entscheidung.

Was will Amazon?

Double Helix hat seinen Sitz im kalifornischen Irvine und zeichnet für Spiele wie „Silent Hill: Homecoming“ oder das Xbox-One-Remake „Killer Instinct“ verantwortlich. Blockbuster hatten Double Helix seit der Gründung im Jahr 2007 mehrere angepeilt, aber immer verfehlt. Was will Amazon mit diesem Spiele-Loser?

Man muss die Zusammenhänge sehen: Amazon besitzt bereits ein Games-Entwicklungsstudio in Irvine, das vor allem auf Spiele in sozialen Netzwerken spezialisiert ist. Man wolle dort weiter „innovative Spiele“ für Amazon-Kunden entwickeln. Double Helix dagegen arbeite derzeit an mehreren Titeln für NextGen-Konsolen und PC.

Gerüchten zufolge wird Amazon noch in diesem Jahr eine eigene Spielkonsole auf Android-Basis herausbringen. Sie soll unter 300 US-Dollar kosten. Entscheidend dürfte dabei die Leistungsfähigkeit der Hardware sein. Ins Topsegment der Spielkonsolen wird Amazon wohl auch mit Hilfe von Double Helix nicht vorstoßen können. Dafür ist die Marktmacht von Sony, Microsoft und Nintendo zu groß.

Bezos vs. Zuckerberg

Die Gaming-Community ist gnädig. Vorstellbar sei, dass Jeff Bezos die Amazon-Kunden mit Gratisspielen auf die Amazon-Website locken will, wie ihm das für Bücher über das hauseigene E-Book-Lesegerät Kindle gelingt. Aktionäre werden die Double-Helix-Akquise eher mit Kopfschütteln bewerten. Nicht wegen der Kaufsumme, die sich bescheiden ausnehmen dürfte, sondern wegen scheinbarer Planlosigkeit.

Der alte Einzelhändler Bezos zieht mit seinen halbherzigen Social-Network-Versuchen gegen den jungen Mark Zuckerberg eindeutig den Kürzeren. Facebook kaufte jüngst für zwei Milliarden Dollar das kalifornische Unternehmen Oculus. Oculus entwickelt Videobrillen, die es ihrem Träger erlauben, in virtuelle Welten einzutauchen. Facebook wagt sich mit dem Zukauf ins Hardwaregeschäft.

Die Brille von Oculus ist bislang vor allem für ihren Einsatz bei Videospielen bekannt. Als Beispiele für andere Einsatzgebiete nannte Facebook Telekommunikation, Medien, Unterhaltung und das Bildungswesen.

Und trotzdem

Nach dem Aufbruch ins digitale Zeitalter werden wir nun Zeugen, wie Internet-Champions durch mehr oder weniger gelungene Akquisitionen ihren Glanz verlieren. Um im Geschäft zu bleiben, werden sie schon bald mit den üblichen Vermarktungsstrategien Kunden überzeugen wollen. Es ist zu erwarten, dass Mark Zuckerberg Kaffee mit dem Facebook-Label verkaufen wird, um die Facebook-Community bei Laune und länger wach zu halten. Schließlich wird es eine Kooperation mit Starbucks geben, wo man den ganzen Tag Facebook-Kaffee trinkt und über W-LAN im Social Network herumsurft. Wie verdienen diese Kunden aber Geld, um beständig zu konsumieren? Wir wissen es nicht. Vielleicht hat Jeff Bezos schon eine Antwort in der Schublade. Oder Starbucks kauft Facebook.
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