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Verstand und Intuition:

Im Team unschlagbar!

In Wissenschaft und Wirtschaft fallen Entscheidungen meist auf der Basis nachprüfbarer Fakten. So scheint es zumindest. Doch neben rationalen Argumenten spielt auch das sprichwörtliche Bauchgefühl eine zusehends wichtigere Rolle. Zahlreiche Versuche und Studien zeigen, dass intuitiv getroffene Entscheidungen nicht nur effizient und schnell, sondern oft sogar besonders passend sind. Woran liegt das?

Im Team unschlagbar!
„Der Verstand, den Menschen einsetzen, um vermeintlich kluge Entscheidungen zu treffen, ist begrenzt und macht nur einen Teil unseres täglichen Wissens aus“, so der amerikanische Intuitionsforscher Milton Fisher. Nichtsdestotrotz gehorcht die Welt der Wirtschaft den Gesetzen der Logik. Entscheidungen beruhen in der Regel auf wohlkalkulierten Abwägungen stichhaltiger und nachprüfbarer Zahlen, Daten und Fakten. Eine Basis, auf die jeder Entscheidungsträger sich guten Gewissens verlassen, vor allem aber berufen kann. Dennoch treffen sie damit nicht immer ins Schwarze: Berechnungen können noch so präzise, Prognosen noch so überzeugend, Zeugnisse noch so ausgezeichnet sein – trotzdem kann sich die angestrebte Fusion, das Aktienpaket, der Bewerber als Flop erweisen. Irgendetwas hat dann wohl doch nicht zusammengepasst – etwas, was der kühl kalkulierende Verstand allein nicht zu erkennen vermag.

Arbeitsteilung im Gehirn

In jeder Sekunde wird der Mensch mit etwa elf Millionen Sinneseindrücken bombardiert. Mit der Verarbeitung sämtlicher Informationen ist das Gehirn jedoch schlichtweg überfordert. Ein Großteil davon wird daher in einen anderen Speicher, ins Unbewusste umgeleitet. Hier sammelt sich ein riesiger Wissensschatz, aus dem die Intuition sich speist. Wie und wo die Intuition wirkt, das haben Versuche des Max-Planck-Instituts für Kognitionswissenschaften offenbart: Man zeigte Probanden einige Millisekunden lang, also unterhalb der bewussten Wahrnehmungsschwelle, unvollständige Bilder von Alltagsgegenständen: Je unvollständiger das Bild, desto aktiver reagierte die Hirnregion des „orbifrontalen Kortex“, der in etwa dort sitzt, wo der Haaransatz beginnt. „Der ist so etwas wie eine Schaltstelle“, so die Wissenschaftlerin Kirsten Volz im Spiegel online-Beitrag „Intuition: Die Macht des Unbewussten“, „die ankommende Informationen daraufhin bewertet, ob das Gehirn etwas Ähnliches bereits kennt“. Ist das der Fall, lässt sich Unvollständiges zu einem Ganzen zusammenfügen. Verstand denkt, Intuition lenkt!

Intuition ist Übungssache

Ohne dass wir darüber nachdenken, begleiten intuitive Handlungen uns im Alltag. Indem auf unbewusst Gelerntes zurückgegriffen wird, können wir in unübersichtlichen Situationen in Sekundenbruchteilen wichtige Entscheidungen treffen – zum Beispiel die hohe Flanke beim Fußball anzunehmen, adäquat auf unseren Gesprächspartner zu reagieren oder bei gelber Ampel situationsgerecht Gas zu geben. Intuition verkürzt auf Basis unbewussten Wissens den Weg des Nachdenkens – und ermöglicht schnellere Entscheidungen. Wer nicht weiß, ob ein Unternehmen in den roten Zahlen steckt, in das man zu investieren plant, dem hilft auch seine Intuition nicht weiter. So profitieren vor allem Experten vom unbewussten Erfahrungsschatz: Unter Zuhilfenahme der Intuition goldrichtige Entscheidungen zu treffen, gelingt erfahrenen Managern eher als frischgebackenen Trainees.

Unbewusste Intelligenz – bewusst nutzen!

Das Potenzial der Intuition liegt in der Verdichtung komplexer, bewusst reflektierter Informationen zu einem Gesamteindruck. Sie ist der perfekte Partner des Verstandes – kompetent und stets schnell zur Stelle. Doch wie kann man seine unbewusste Intelligenz bewusst einsetzen und nutzen? Dazu empfiehlt der Psychologe Gerd Gigerenzer, Informationen, bewusstes Wissen gezielt zu ignorieren, seinen Logikapparat für einen Moment abzuschalten.

Intuitive Fähigkeiten lassen sich jedoch auch trainieren. Zum Beispiel, indem man seine „Antennen ausfährt“, um den unbewussten Wissensspeicher anzureichern: Wer seine Aufmerksamkeit auf eine ganz bestimmte Sache richtet, wird ohne weiteres Zutun mit entsprechenden Informationen und Wahrnehmungen beliefert. Hilfreich ist es außerdem, seine fünf Sinne zu schärfen – und so zu lernen, wahrzunehmen, was einem das eigene Bauchgefühl signalisiert: Die Ursache für ein Kribbeln in der Magengegend ist vielleicht auch mal nicht der viele Kaffee, sondern eine richtig gute Idee! Und ein ungutes Gefühl, das sich angesichts des hochgelobten Kandidaten für den Vorstandsvorsitz ganz leise im Innern regt, mag manchmal mehr besagen als dessen makellose Referenzen. Zu Recht ist Intuition oft „das Zünglein an der Waage“.
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