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Preisentwicklung Rohöl:

Es läuft wie geschmiert …

Schießen die Rohölpreise nach oben, fallen die Reaktionen unterschiedlich aus: Den einen treibt es den kalten Schweiß auf die Stirn, die anderen jubeln. Was passiert da eigentlich – und warum? Ein kleiner Einblick in einen gigantischen Markt.

Es läuft wie geschmiert …
Ständig höhere Kerosinzuschläge, rasant steigende Treibstoffkosten beim Fuhrpark: Die Kostenverantwortlichen in Unternehmen haben es nicht leicht. Eigentlich hatten sie ihr Budget doch sauber kalkuliert, nur es einzuhalten fällt immer schwerer! Bekanntlich prägen Angebot und Nachfrage die Preisentwicklung eines Produktes. Doch rund ums Öl bestimmen auch Vermutungen über zukünftige sowie psychologische Faktoren diesen Prozess. Preisveränderungen an den Rohstoffmärkten sind die Folge fundamentaler Ursachen – beispielsweise boomender Volkswirtschaften wie China – und technischer Ursachen wie beispielsweise Terroranschläge oder politische Unruhen. Je größer der erwartete Energiehunger und desto knapper und teurer die prognostizierte Rohölgewinnung, desto höher steigt der Preis. Gleichzeitig schwächen allerdings (zu) hohe Ölpreise die Weltwirtschaft – und mindern langfristig sowohl die Nachfrage nach als auch die Abhängigkeit vom Erdöl: Alternative Energien werden attraktiver. Deshalb sind die Erdöl produzierenden Länder grundsätzlich an stabilen Preisen interessiert. Auf der anderen Seite schaffen allerdings gerade hohe Ölpreise Anreize, in die Ölförderung zu investieren – ein permanentes Auf und Ab!

Ausgleich dringend gesucht

Als ausgleichende Instrumente sollen die Warenterminbörsen in New York (NYMEX), London (IPE) oder auch die deutsch-schweizerische EUREX funktionieren. Die dort gehandelten Terminkontrakte (Commodity Futures) stellen verbindliche Zusagen dar, bestimmte Mengen einer genormten Qualität zu einem bestimmten Termin zu liefern oder abzunehmen. Das Preisniveau der Transaktionen bestimmen die Prognosen der Analysten.
Spekulanten sind insbesondere Börsenmakler, die für sich oder Kunden Rechte, zum Beispiel an bestimmten Mengen Rohöl, erwerben. Sie haben kein Interesse daran, die im Terminkontrakt vereinbarte Menge tatsächlich zu erhalten: Spekulanten verkaufen den jeweiligen Kontrakt also vor dem Fälligkeitstermin. Ist der geltende Preis höher als der ursprüngliche Kaufpreis, sind sie die Gewinner. Meist erzielen Spekulanten ihre Gewinne auf Kosten anderer Spekulanten – seltener direkt zu Lasten der Konsumenten. In gewisser Weise übernehmen Spekulanten an den Warenterminbörsen für einige Zeit sogar die Preisrisiken von Ölproduzenten und Verarbeitern: Sie bringen dem Markt Liquidität und Flexibilität. Allerdings: Gerade der Handel mit Rohöl-Futures kann zu starken Preisschwankungen führen. 2008 erreichte das weltweite Handelsvolumen von Öl-Futures das 17-Fache (!) der real verkauften Ölmenge. Diese Relation verweist auf ein fundamentales Problem der heutigen Ökonomie – sie hat sich in eine reale und eine virtuelle aufgespalten: Die reale erfordert Investitionen, sorgt aber auch für die Bereitstellung unter anderem von Energie, Nahrungsmitteln und Konsumgütern. Die virtuelle dagegen besteht aus der Finanzspekulation mit gigantischen Renditeforderungen von mindestens 25 Prozent. Es läuft „wie geschmiert“ – aber selten in die richtige Richtung.


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