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Urheberrecht:

„Es irrt der Mensch, solang er strebt“

Die Piratenpartei fordert, das „nichtkommerzielle Kopieren, Zugänglichmachen, Speichern und Nutzen von Werken“ zu legalisieren. Was schützt das Urheberrecht eigentlich? Ein kurzer Blick in eine lange Geschichte.

„Es irrt der Mensch, solang er strebt“
Schutzgegenstand des deutschen Urheberrechts sind Werke aus Literatur, Wissenschaft und Kunst. Werke werden definiert als „persönliche geistige Schöpfungen“. Dieser Werkbegriff beinhaltet vier Elemente: das „persönliche Schaffen“, also ein Handlungsergebnis, erzielt durch den gestaltenden Einfluss des Urhebers, die „wahrnehmbare Formgestaltung“, welche mehr als eine bloße Idee sein muss, den „geistigen Gehalt“, der beim Rezipienten Gedanken oder Gefühle jenseits der reinen Sinneswahrnehmung auslöst, sowie die „eigenpersönliche Prägung“, erkennbar an Individualität und Originalität. Der Schutz des Urheberrechts währt bis 70 Jahre nach dem Tode des Urhebers.
Mit dem Raub von Ideen mussten sich Autoren seit vielen Jahrhunderten auseinandersetzen. Doch erst seit der Erfindung des Buchdrucks (um 1450) ließen sich von Schriftwerken Kopien in höheren Stückzahlen herstellen. Anfangs waren es die Drucker, die sich bei den jeweiligen Obrigkeiten entsprechender Schutzrechte versicherten. Johann Wolfgang von Goethe (geboren 1749) schrieb populäre, anfangs vielfach von Raubdruckern kopierte Werke wie „Götz von Berlichingen“ und „Die Leiden des jungen Werther“. Als Jurist kämpfte Goethe intensiv und erfolgreich in allen deutschen 39 Kleinstaaten für die Rechte an seinen Werken. Er erhielt – damals eine Sensation – das „Druckprivileg“, konnte seinem schwäbischen Verleger Cotta treu bleiben und verdiente mit seinen Werken so viel Geld, dass es nach heutigen Maßstäben zum Multimillionär gereicht hätte. Eines darf als sicher gelten: Die Piratenpartei hätte Goethe nicht gewählt.


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