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Auszeit nehmen

Einfach mal aussteigen: Sabbatical

Der Traum vom Aussteigen. Wer hat ihn nicht schon mal geträumt. Eine Auszeit nehmen. Befreit von allen Zwängen etwas Neues ausprobieren oder lang gehegte Wünsche verwirklichen. Es muss ja nicht immer eine Weltreise sein. Aussteiger auf Zeit wollen sich fortbilden, mehr Zeit mit der Familie verbringen, ein Haus bauen oder eine neue Sprache lernen.

Einfach mal aussteigen: Sabbatical
Sabbatical bezieht sich auf Sabbat, den Ruhetag im jüdischen Kalender. Der Begriff stammt aus dem amerikanischen Englisch und bedeutet so viel wie „eine Pause einlegen“. Auch in vielen deutschen Unternehmen wird das Sabbatical längst als ein Mittel der Personalförderung verstanden. Wer sich eine Auszeit vom Job, die zwischen drei und zwölf Monaten dauern kann, nimmt, meldet sich in den meisten Fällen hoch motiviert und mit frischen Ideen zurück zur Arbeit.

Viele träumen davon, nicht so viele machen es.

Die wichtigsten Gründe, die gegen ein Sabbatical sprechen: Was wird der Chef sagen? Habe ich es wirklich nötig? Wer soll das bezahlen? Hinter diesen Fragen verbirgt sich ein Problem des Arbeitsethos. Wer nicht arbeitet, ist in Gefahr, die Selbstachtung und den Respekt der Kollegen zu verlieren. Die Rechtfertigung einer Frei-Zeit vor sich selbst ist die größte Hürde, ein Sabbatical einzufordern.

Grundsätzlich kann aber jede und jeder Angestellte ein Sabbatical machen.

Um eine Auszeit zu beantragen, sollte der Arbeitgeber über eine gewisse Größe verfügen. Und der Arbeitnehmer schon einige Jahre fest im Unternehmen gearbeitet haben, um den Wunsch nach einer Auszeit glaubhaft darstellen zu können.

Hilfreich für die Realisierung des Sabbaticals ist in jedem Fall das Gesetz zur sozialrechtlichen Absicherung flexibler Arbeitszeitregelungen, umgangssprachlich auch Flexigesetz genannt. Das Flexigesetz regelt die Frage nach der sozialversicherungsrechtlichen Behandlung des verdienten, aber noch nicht ausgezahlten Lohns und die Verwendung dieses Lohns für Freistellungen während des Arbeitslebens.

Will man eine dreimonatige Auszeit nehmen, arbeitet man zum Beispiel neun Monate 100 Prozent und hat drei Monate Frei-Zeit. Die Auszahlung des Gehaltes wird auf zwölf Monate verteilt. Oder anders gesagt: Jeden Monat werden 75 % ausgezahlt. Die Vergütung während der Freistellung, Dauer, Aufgaben und Position nach der Auszeit sowie andere Details regelt ein spezieller Sabbatical-Vertrag.

Wer drei Monate oder länger auf Reisen sein will, wird schnell erkennen, dass 75 % des Gehaltes nicht ausreichen, um laufende Kosten für Miete und Bausparverträge sowie Lebenshaltung und Flugreisen etc. zu decken. Um während des Sabbaticals zu reisen, andere Kulturen kennenzulernen und eine Distanz zum Alltag herzustellen, braucht es in den meisten Fällen auch angespartes Kapital.

Für Selbständige entfällt die Hürde, die Erlaubnis von Dritten einzuholen.

Dafür gibt es andere Hindernisse. Letztlich muss die Frage beantwortet werden, ob es sich ein Selbständiger leisten kann, für einen längeren Zeitraum nicht in seinem Unternehmen zu sein. Im Vorfeld sollte geklärt werden, wer in Abwesenheit – mit Prokura ausgestattet – die Geschäfte leitet und ob man während der Abwesenheit für Partner oder Mitarbeiter erreichbar sein soll oder nicht.

Der Ausstieg auf Zeit ist auch für Selbständige realistisch, wenn er langfristig geplant wird und die Kunden Bescheid wissen. Freie Berufe, in denen man von Projekt zu Projekt arbeitet, haben den Vorteil, dass sie die Pause zwischen den Projekten einfach verlängern, ohne dass größere finanzielle Einbußen zu befürchten sind.

Sind eigene Vorbehalte gegen das Sabbatical ausgeräumt, Dauer und Finanzierung geplant und durchgerechnet, steht eine letzte, nicht unwichtige Entscheidung an.

Mit wem will ich meine Auszeit verbringen?

Reisen macht zu zweit mehr Spaß. Aber gelten die Regeln für einen Standard-Urlaub auch für ein Sabbatical? Wer alleine unterwegs ist, erlebt die Auszeit oft intensiver.

Nicht wenige Singles lernen während ihrer Reise sogar einen neuen Partner kennen. Die Auszeit hat sie offener gemacht.

Die Entscheidung, alleine zu reisen oder mit dem Partner und der Familie, ist von der Lebenssituation und der Motivation für das Sabbatical abhängig. Bleibt der Ehe- bzw. Lebensgefährte aus beruflichen Gründen erst einmal zu Hause, kann man die Selbstfindung alleine genießen, aber schon einige Wochen später ein Wiedersehen und traute Zweisamkeit feiern – irgendwo auf der Reiseroute, vielleicht auf Hawaii, in Feuerland oder im indischen Agra, wo das Taj Mahal steht.

Mit der gesamten Familie ins Sabbatical zu gehen und in der „Weltgeschichte“ herumzugondeln, erscheint zunächst unmöglich, ist aber auch machbar. Dafür gibt es viele Beispiele. Eine gute Zeit ist vor der Einschulung der Kinder. Ansonsten verbringen „Sabbaticaler“ und ihre Familien auf jeden Fall die großen Ferien miteinander. Auch hier ist Flexibilität gefragt. Es gibt viele Möglichkeiten.

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