Inhaltsverzeichnis schließen

Inhaltsverzeichnis

Mensch und Ernährung:

Du bist Steinzeit!

Der Mensch greift nach den Sternen. Doch genetisch kraxeln wir noch in der Steinzeit herum. Genau wie der Steinzeitmensch haben wir immer Hunger. Doch anders als er leiden wir an Übergewicht. Warum?

Du bist Steinzeit!
Als vor mehr als 100.000 Jahren der homo sapiens auftauchte, stand er stets unter dem Druck, nicht zu verhungern. Proteine, Fette oder gar Zucker waren die Ausnahmen. Es überlebte nur, wer durch seine genetische Disposition das wenige Essbare perfekt verwerten konnte. Auch der moderne Mensch ist ein guter „Futterverwerter“. Er trifft, zumindest in der modernen Industriegesellschaft, auf Nahrung im Überfluss. Und damit sind nicht nur Pommes Frites, Cola und Alkohol gemeint. Gegner des Idealgewichtes sind vor allem Kohlenhydrate, also Brot und Nudeln, aber auch Reis: Lebensmittel, die der Steinzeitmensch gar nicht kannte. Das evolutionäre Programm aus der Steinzeit „Iss so viel, wie du kriegen kannst, oder du bist tot“ erzeugt heute Zivilisationskrankheiten wie Diabetes, Stoffwechselstörungen sowie Herz- und Kreislaufkrankheiten.

Prof. Roy Walford von der University of California (UCLA), Los Angeles, der Mitinitiator des "Biosphere 2"-Experimentes, konnte nachweisen, dass es Menschen gesundheitlich hilft, weniger zu essen. Die Bionauten, darunter Walford selbst, lebten zwei Jahre lang vollständig von der Außenwelt isoliert unter einer überdimensionalen Glasglocke bei Tucson, Arizona. Auf den Tisch kam selbst Angepflanztes. Ihr Speiseplan bestand aus frischem Gemüse, Früchten und Körnern, hin und wieder einem Ei und selbstgemolkener Ziegenmilch.
Trotz harter körperlicher Arbeit gab es durchschnittlich nur 1.800 Kalorien pro Tag. „Wir waren immer etwas hungrig", so einer der Probanden. Die vier Männer und vier Frauen verloren bis zu 20 Prozent ihres Gewichts: Ihr Stoffwechsel verlangsamte sich. Die Körpertemperatur sank um mehr als ein Grad Celsius. Der Blutdruck verringerte sich um ein Fünftel. Cholesterin und Blutfette erreichten Traumwerte, und die Risikofaktoren für Diabetes und Blutzucker verringerten sich um 30 Prozent.

Können wir diese wissenschaftlichen Erkenntnisse für uns nutzen? Im Prinzip allemal. Doch es gibt da ein Problem: Wir können den Grad der Sättigung schlecht abschätzen. Nach den obligatorischen zweieinhalb Brötchen zum Frühstück – inklusive Butter, Marmelade, Käse, einem Ei und Kaffee mit Zucker und Milch – hätte sich unser Steinzeitkollege wohl für einen Tag im Paradies gewähnt. Wir jedoch denken kurz danach ans Mittagessen und ein Stück Kuchen am Nachmittag. Und zur „Überbrückung“ hilft ein Müsli-Riegel!


shutterstock.com/Dieter H; shutterstock.com/Maya Kruchankova