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Angriff auf die Zentralbanken

Die wahre Bedeutung von Bitcoins

Auf den ersten Blick die perfekte Währung. Bitcoins sind anonym, global einsetzbar und fälschungssicher. Kostete eine virtuelle Münze vor wenigen Jahren nur einige Cent, stieg ihr Wert im November 2013 auf über 1.000 US$. Bitcoins als sichere Währung in Zeiten globaler Finanzkrisen haben eine große Anziehungskraft. Stellt sich die Frage: Sind Bitcoins wirklich eine Option, Werte zu sichern, oder nur eine virtuelle Spielerei?

Die wahre Bedeutung von Bitcoins
Erdacht wurden Bitcoins 2009 von einem Programmierer mit dem Pseudonym Satoshi Nakamoto. Bitcoins bestehen aus einer Kombination von Zahlen und Buchstaben und werden von Computern erzeugt, die komplizierte Rechenprozesse durchführen. Das Ziel: Erschaffung eines anonymen Online-Zahlungsmittels, das ohne Vermittlerdienste, wie zum Beispiel Kreditkartenfirmen, auskommt.

Die Faszination, die von Bitcoins ausgeht, ist mehrschichtig: Sie funktionieren! Sie versprechen eine Abkopplung des eigenen Lebens vom Diktat der Zentralbanken! Die User, Besitzer und Schürfer von Bitcoins werden zu Gestaltern ihres eigenen Schicksals!

In einer Zeit, in der Währungssysteme, Finanzmärkte und Volkswirtschaften in ihrer Wechselwirkung und Intransparenz nicht mehr voneinander zu trennen sind, hat die Einführung einer neuen Währung im virtuellen Raum eine befreiende Wirkung. Wir verstehen die Spielregeln gesellschaftlicher Organisation unter dem Primat des Geldes wieder besser. Und können diese Regeln aus eigener Kraft steuern.

Die gesellschaftliche Funktion von Geld

Seit seiner Einführung vor gut 4.000 Jahren hat Geld Gesellschaft im ökonomischen Sinn erst möglich gemacht. Geld ist für die menschliche Evolution von ähnlicher Bedeutung wie die Entdeckung des Feuers oder die Erfindung der Sprache.

Geld kann im Prinzip jede beliebige Form annehmen: Rinder, Ziegen, Samenkörner, Muscheln, Zigaretten oder Gold- und Silbermünzen. Im Unterschied zum Warengeld, das neben dem Tauschwert noch einen inneren Wert hat, leben wir heute in einer Zeit des ungedeckten Geldes, auch Fiatgeld genannt.

Der Wert des modernen Geldes entsteht durch Übereinkunft, durch die allgemeine Akzeptanz der Marktteilnehmer und den Wert des Geldes im Vergleich zu anderen Währungen. Daher auch der Name Fiatgeld. Der lateinische Begriff fiat bedeutet so viel wie „Es sei, es geschehe“.

Geld hilft, das menschliche Zusammenleben zu regeln, wirtschaftliche Prozesse zu steuern und so die gesellschaftliche Entwicklung voranzutreiben. Durch die globale Nutzung des Internets tritt Bargeld mehr und mehr in den Hintergrund. Zahlungsverkehr findet heute, vor allem bei größeren Summen, in digitaler Form statt, z. B. beim Internet-Banking.

Bitcoins gehen noch einen Schritt weiter. Sie zeigen, dass Währungssysteme prinzipiell auf Zentralbanken und auf Geschäftsbanken verzichten können. Einzige Bedingung für den Zahlungsverkehr ist ein Internetzugang.

Bitcoins als Währung der United Web Communities

Der permanente Informationsaustausch im Global Village hat einen enormen Einfluss auf soziales Verhalten, d. h. die Art, wie Menschen leben, an welchen Werten und Normen sie sich orientieren, wie sie miteinander kommunizieren und natürlich auch auf die Art, wie sie einkaufen und bezahlen.

Communities im Cyberspace erscheint es als wünschenswert, fast logisch, auch über eine eigene Währung zu verfügen. Bitcoins könnten diese Funktion übernehmen. Die Frage ist nun, welche Wirkung eine virtuelle Bitcoin­-Währung auf Zentralbank-gesteuerte Währungen hat?

Legitimität einer nicht-zentralen Geldschöpfung

Falls sich Bitcoins künftig etablieren und ein Handel zum Beispiel mit dem Euro stattfände, gäbe es eine faktische Geldschöpfung, d. h. es entsteht neues, zusätzliches Geld. Die Verwässerung des Geldmengenmonopols der Notenbanken hätte weitreichende Folgen.

Eine Vergrößerung der Geldmenge gegenüber den Warenwerten führt tendenziell zu Inflation. Die Kritiker verweisen zudem darauf, dass Bitcoins jede Konjunkturpolitik verhindern würden. Für den Fiskus ist nicht ohne Weiteres einsehbar, wer die Zahlungsbewegungen bewirkt. Der Bitcoin ist ähnlich wie Bargeld zur Steuerhinterziehung geeignet.

Bitcoin-Befürworter vertreten die Auffassung, dass sich durch die Entkopplung der Geldschöpfung von einer zentralen Stelle eine Demokratisierung des Geldwesens bewirken lässt. Das setzt aber auch voraus, dass jeder Mensch einen Internetzugang hat.

Stand der Dinge

Bitcoin-Aktivisten wurden kürzlich durch die Bundesanstalt für Finanzaufsicht BaFin auf den Boden der Tatsachen geholt. In Deutschland sind Bitcoins weder Geld noch E-Geld, allerdings eine Rechnungseinheit und somit Finanzinstrument im Sinne des Kreditwesengesetzes KWG. Bitcoins seien eine Art „privates Geld“. Gewinne aus dem Verkauf von Bitcoins werden daher als ein privates Veräußerungsgeschäft bewertet und unterliegen damit der Einkommensteuer. Anders als bei Wertpapieren sind Gewinne jedoch nach einem Jahr Haltedauer steuerfrei.

Bundesbank-Vorstandsmitglied Carl-Ludwig Thiele warnte jedoch schon vor der Verwendung von Bitcoins und bezeichnete sie Anfang des Jahres als hoch spekulativ. Investoren drohe grundsätzlich der Totalverlust. Das sehen die Bitcoin-Miner natürlich ganz anders.