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Glücksforschung:

Die Jagd nach dem verlorenen Schatz

Was ist Glück? Wie erreicht man es? Diese Fragen sind vermutlich so alt wie die Menschheit. Doch heute beschäftigen sie uns mehr denn je: Zum Suchwort „Glück“ findet Google über 100 Millionen Einträge! Geld, Macht, Liebe – oder was sonst hilft uns, den Schatz des Glücks zu heben?

Die Jagd nach dem verlorenen Schatz
Der eine jagt rastlos und meist enttäuscht dem Lotto-Jackpot hinterher. Ein anderer tut’s nicht – und erfreut sich einfach so seines Lebens. Philosophie, Theologie, Psychologie und natürlich längst auch die Hirnforschung: Alle diese Disziplinen ringen um Antworten danach, was uns glücklich macht. Das Streben nach Glück ist uns angeboren, drückt individuelle Sehnsüchte aus. Doch weil dieses Streben zugleich eine enorme Triebfeder darstellt, kommt ihm auch volkswirtschaftlich große Bedeutung zu. Die Glücksforschung, also die wissenschaftliche Erforschung der Bedingungen des Glücks, gewinnt an gesellschaftlicher Relevanz.

Anders als die englische Sprache, die zwischen dem zufälligen „Glück haben“ (luck) und dem „Glücklichsein“ (happiness) präzise unterscheidet, kennt die deutsche lediglich ein Wort für beide Zustände. Die interdisziplinäre Glücksforschung beschäftigt sich nur mit solchen Faktoren, die Glück im Sinne einer umfassenden Lebenszufriedenheit („Glücklichsein“) bewirken. Glücksforscher wollen verstehen, was Glück fördert oder hemmt – und daraus Handlungsempfehlungen ableiten.

Geld macht nur bedingt glücklich

Ein zentrales Motiv menschlichen Arbeitens und Wirtschaftens liegt in der Schaffung von Wohlstand und damit vermeintlich der Maximierung von Glück. Doch die Glücksforschung hat erkannt, dass Geld, Wachstum und Wohlstand nur bedingt zu einem erhöhten Grad erlebten Glücks beitragen. Befragungen zeigten, dass in den vergangenen 50 Jahren in westlichen Ländern Glücksempfinden und Lebenszufriedenheit stagnierten – trotz einzigartigen Wirtschaftswachstums und dem damit einhergehenden Anstieg des Pro-Kopf-Einkommens. Der Grund: Mit dem Einkommen wachsen die Ansprüche! Ist die Existenz materiell gesichert, zählt schon bald nicht das absolute, sondern das relative Einkommen: Man beginnt, sich zu vergleichen.

Vollgas im Hamsterrad

In seinem Buch „Die Tretmühlen des Glücks“ definiert Mathias Binswanger, Professor für Volkswirtschaft an der Fachhochschule Nordwestschweiz in Olten, vier Hamsterräder, die uns in unserem Streben nach Glück auf der Stelle laufen lassen. Seine These: Ein Mensch, der nur ans Geldverdienen und an die Karriere denkt, handelt unökonomisch. Weil er sein Glück nicht maximiert, setzt er seine Zeit- und Geldressourcen nicht richtig ein. Die Hoffnung, mit mehr Geld auch mehr Glück zu erfahren, wird sogar ständig enttäuscht. Gefangen in der Status-, Anspruchs-, Multioptions- und Zeitspar-Tretmühle misslingt der Weg zum Glück. Neidisch schielen wir auf den zur Schau gestellten Erfolg anderer, setzen auf Statussymbole, die uns durch Gewöhnung allzu bald wieder fad werden. Statt unserer eigenen Intuition zu vertrauen, verschwenden wir unsere Zeit bei der Qual der Wahl aus einem schier unendlichen Produktangebot.

Das Geheimnis echten Glücks

Um das Glück zu maximieren, ist es für Staat und Unternehmen ebenso wie für den Einzelnen von großer Bedeutung, Strategien zu entwickeln, die aus den „hedonistischen Tretmühlen“ herausführen. Laut Glücksforschung wirken insgesamt sieben Faktoren auf das Glücksempfinden ein: Neben der finanziellen Lage entscheiden familiäre Beziehungen, eine befriedigende Arbeit, das soziale Umfeld, Gesundheit, persönliche Freiheit und die eigene Lebensphilosophie beziehungsweise Religion darüber, wie glücklich man sich fühlt. Als beglückend werden Erfahrungen jenseits der „hedonistischen Tretmühlen“ erlebt, die keinen Gewöhnungseffekten unterliegen.
„Das Zusammensein mit der Familie, mit Freunden, Sex, ja sogar die Qualität und Sicherheit unserer Arbeit stellen Erfahrungen dar, an deren positive Auswirkungen wir uns nicht gewöhnen“, weiß auch Autor Manfred Spitzer. „Glück rührt also von unseren Erfahrungen her, vor allem von unseren Erfahrungen mit anderen Menschen.” Insbesondere sogenannte Flow-Aktivitäten, Tätigkeiten, die um ihrer selbst willen ausgeübt werden, tragen zur Lebenszufriedenheit bei.

Karriere, Profit und Konsum sind jedenfalls längst nicht alles – da sind sich alle Forscher einig. Glück zu maximieren – das hat immer auch mit der Fähigkeit zur persönlichen Zufriedenheit zu tun.
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