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Ancillary Fees:

Blindflug bei den Kosten

So mancher Flugpreis löst Hochgefühle aus. Doch meist folgt die Enttäuschung auf dem Fuße: Rechnet man alle Zusatzkosten zusammen, erweist sich vermeintlich Günstiges inzwischen oft als teuer. „Blackbox“ Flugpreise? Auch mit Blick auf zigtausende Reisekostenabrechnungen sind Lösungen dringend gefordert.

Blindflug bei den Kosten
Vorzugs-Sicherheitskontrolle, frühes Boarding, Sitzplatz am Notausgang oder die warme Mahlzeit: Anders als noch vor wenigen Jahren lassen sich Airlines zusätzliche Services bestens bezahlen. Während man einige dieser Kostenfaktoren immerhin noch als „komfortsteigernd“ bezeichnen kann, sind andere einfach nur lästig: Zusatzgebühr pro Gepäckstück, Kerosinzuschlag und Kreditkartenentgelt sind nicht mehr und nicht weniger als verdeckte Preiserhöhungen.

Einkaufen bzw. bezahlen kann oder muss man die „Zusatzleistungen“ bei der Buchung bzw. Ticketausstellung, während des Online-Check-in, am Airline-Counter oder auch direkt an Bord. Den Anfang hatte Ryanair-Chef Michael O’Leary gemacht. Sein Traum: Eines Tages sollten alle Passagiere kostenlos mit seiner Airline fliegen. Verdienen sollte die lediglich an den Zusatzleistungen – für Verkäufe an Bord, Gepäcktransport und Versicherungen sowie Hotel- und Fahrzeugbuchungen. Entsprechende Kosten werden inzwischen unter dem Begriff „Ancillary Fees“ zusammengefasst. Per Definition handelt sich dabei um alle Zusatzgebühren, die von Fluggesellschaften erhoben werden, aber mit dem direkten Ticketpreis nicht unmittelbar etwas zu tun haben – meist also Entgelte, die früher im Gesamtpreis enthalten waren, heute aber getrennt erhoben werden.

Ein Milliarden-Geschäft

Der Markt dafür ist riesig: Anfangs hoben nur die Billigflieger darauf ab, doch schon bald folgten auch die Branchenriesen. Der Fantasie sind kaum Grenzen gesetzt, für was sich Zusatzkosten erheben lassen. Einen zusätzlichen Schub bewirkten die Gewinnrückgänge beziehungsweise Verluste zahlreicher Airlines, insbesondere im Jahr 2009. Schon 2011 kletterten die Zusatzumsätze der Fluggesellschaften, so die Ergebnisse einer Analyse von Amadeus und IdeaWorks, weltweit auf umgerechnet rund 23,6 Milliarden Euro – innerhalb eines Jahres ein Zuwachs von 43,8 Prozent. Tendenz: weiter steigend!

Anders als eine normale Preiserhöhung ziehen die Ancillary Fees allerdings einen Rattenschwanz von Problemen nach sich: Weil sie bei Fluggesellschaften und Buchungssystemen nicht transparent dargestellt werden, sind die Kosten im Unternehmen schwer zu identifizieren. Jeder Preisvergleich wird dadurch zur Geduldsprobe. Denn der in Buchungsportalen abgebildete Nettobetrag verliert dramatisch an Aussagekraft: Bis zu 30 Prozent der Gesamtausgaben für Flugtickets sind inzwischen Kosten für Zusatzleistungen. Werden Zusatzkosten erst später hinzugerechnet, erscheint die eigentliche Flugleistung günstiger. „Weil für Firmenverträge nur Netto-Preise verhandelt werden, hat der Travel Manager eine schlechtere Verhandlungsposition“, erläutert VDR-Präsident Dirk Gerdom. „Auf dem Papier erscheint sein Volumen geringer.“ Und Ralph Rettig, VDR-Vizepräsident ergänzt: „Im Moment hat die Problematik eine lange Kausalkette. Airlines liefern keine auslesbaren Informationen, Buchungsportale können Zusatzgebühren nicht abbilden, und in den Unternehmen sind sie nicht eindeutig zu identifizieren.“ Mit anderen Worten: 30 Prozent bei den Reisekosten in deutschen Unternehmen. Statt Transparenz bedeutet das für alle Betroffenen Blindflug!

Auch ein Problem der Zuordnung

Hinzu kommt der buchhalterische Mehraufwand, um die Zusatzausgaben überhaupt den jeweiligen Kostenstellen zuzuordnen. Kein Wunder, dass sich 64 Prozent der VDR-Mitgliedsunternehmen Daten wünschen, die den Kostenanteil für Zusatzleistungen an den Gesamtausgaben für Flugtickets ersichtlich machen. Das ist eines der Ergebnisse einer vom Verband Deutsches Reisemanagement e.V. (VDR) im März 2012 unter 570 Geschäftsreiseverantwortlichen in deutschen Unternehmen realisierten Befragung. „In den Unternehmen und Reisebüros verursachen sie unnötige und unverhältnismäßig hohe Prozess- und IT-Systemänderungen“, meint auch Heiko Luft, Leiter Business Travel Management bei EnBW Stuttgart.

Als mögliche Lösung schlägt VDR-Präsident Gerdom vor, mit den Fluggesellschaften Pakete zu verhandeln, welche die Ancillary Fees bereits beinhalten: „Durch Rebundled Packages als Teil des Leistungsträgerabkommens steigt das verhandelbare Volumen wieder und die Kosten werden transparent.“ Das wäre schon deshalb sinnvoll, weil das noch nicht erreicht scheint: Laut der VDR-Umfrage gehen 84 Prozent der befragten Geschäftsreiseverantwortlichen davon aus, dass die Zusatzgebühren weiter zunehmen werden. Und gegenwärtig gelingt es erst rund einem Prozent der Mitglieder, mit ihrer Airline solche „Rebundled Packages“ als Teil ihrer Leistungsträgerabkommen – inklusive Nennung der Zusatzgebühren – auszuhandeln.

Lösung(en) zwingend erforderlich

Parallel zu solchen Forderungen wird viel unternommen, um wieder mehr Licht ins Dunkel zu bringen: Bereits Anfang 2011 beschäftigte sich der VDR-Fachausschuss Technologie, u. a. zusammengesetzt aus Travel Managern, Reisebüro-Repräsentanten und Technologieanbietern, mit dem Thema. Es werden Reiserichtlinien angepasst, in Verhandlungen wird versucht, Gesamtvolumen inklusive der ungeliebten Ancillary Fees festzuschreiben, im Rahmen der Budget-Planungen werden zu erwartende Kostensteigerungen vorgegeben und bei den Online-Buchungs-Systemen alle verfügbaren Informationen dazu sowohl eingefordert als auch genutzt. Und auf technischer Ebene wird mit Systemen wie „Noram“, „Emea“, „Cytric“ oder „Apac“ viel unternommen, um die Ancillary Fees zu tracken und dadurch für Reports aufzubereiten. Basis dessen ist ein IATA-Standard in Form eines „EMD“ (Electronic Miscellaneous Document), das sowohl zur Ausstellung als auch Erfassung von dient. Echte Transparenz verlangt hierbei allerdings die Mitwirkung möglichst aller Airlines. Bis dahin scheint es noch ein weiter, weiter Flug zu sein.


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