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Interkulturelle Kontakte:

Achtung, Fettnäpfchen-Alarm!

New York, Rio, Tokio – in Zeiten der Globalisierung muss der Businessreisende auch Qualitäten als Kosmopolit beweisen. Schon der zwanglose Plausch in der Hotelbar wird da schnell zum Testfeld für interkulturelle Kompetenz. futuremynd gibt Insider-Tipps und warnt vor großen Stolpersteinen.

Achtung, Fettnäpfchen-Alarm!
Business-Class-Hotels rund um den Globus arbeiten inzwischen nach westlichen Standards. Mit europäischen Benimmregeln rund um Dresscode, Tischmanieren und Trinkgeld bewegt man sich dort weltweit auf sicherem Boden. Doch schon in Hotelbars oder Restaurants droht interkulturellen Debütanten schnell der ein oder andere Ausrutscher: Beim Treffen mit Geschäftspartnern in zwangloser, vermeintlich privater Atmosphäre will man „Bella Figura“ machen. Doch Pluspunkte sammeln will gerade hier gelernt sein!

„farang“-Zeit – pünktliche Ausländer

Unpünktlichkeit ist in Südamerika, Spanien und weiten Teilen Asiens gesellschaftlich akzeptiert. Ungekrönte Meister sind allerdings die Thailänder, die sogar ein eigenes Wort für die ausländische Pünktlichkeit kreiert haben: die „farang“-Zeit. Lassen Sie sich auf keinen Fall Ihren Unmut anmerken, wenn Ihr thailändischer Kontakt mit zweistündiger Verspätung eintrifft und das noch dazu ohne jede Ausrede! Erwartet wird Gleichmut. Sie selbst sollten dennoch pünktlich zum Treffen erscheinen: Da uns Deutschen der Ruf als Pünktlichkeitsfanatiker anhaftet, kann es vorkommen, dass Thailänder Ihnen zuliebe rechtzeitig eintreffen – und dann keinerlei Verständnis für Ihr Zuspätkommen aufbringen.

Die Begrüßung - auch Nähe will gelernt sein

Ist es in Schweden üblich, sich selbst vorzustellen, so legen Asiaten in aller Regel großen Wert auf formelle Vorstellungsrunden unter Beachtung der Hierarchien. Schulterklopfen und herzliches Händeschütteln sollte man in China ebenso vermeiden wie in Frankreich verschrecktes Zurückweichen vor dem – auch im Geschäftsumfeld üblichen – Wangenkuss.
Dieses französische Begrüßungsritual, selbst für den deutschen Geschmack schon reichlich überschwänglich, wäre in vielen Ländern der Welt ein absoluter Fauxpas: Der Kopf gilt in Indien als Sitz der Seele, er darf überhaupt nicht berührt werden! Norweger wiederum empfinden jedwede Berührung von Fremden als Übergriff. Auch die Anrede hat ihre Tücken: Während Amerikaner ohne Ansehen der Person die Nennung beim Vornamen als normal empfinden, kommt das in Spanien nur bei Höhergestellten in Verbindung mit „Don“ bzw. „Doña“ in Frage. Und in Brasilien sollte man bei der Vorstellung unbedingt sehr genau hinhören: Ein zweites Mal nach dem Namen zu fragen, gilt als absoluter Affront.

Internationaler Small Talk

Die Briten haben Gespräche über das Wetter fast schon zur Kunstform entwickelt, weil sie Fragen nach Privatem schnell als Indiskretion werten. Und damit sind sie zumindest bei den Norwegern in bester Gesellschaft. Taugt das Wetter in anderen Ländern bestenfalls als kommunikative Notlösung, so eignen sich Kunst, Musik, Reisen, Hobbys, Kinofilme und Sport weltweit bestens als unverfängliche Gesprächsthemen. Tabu sind dagegen Krankheiten, Geschichte, politische, religiöse und sonstige weltanschauliche Diskussionen. So lieben beispielsweise Südafrikaner Gespräche über Rugby, Kricket und Autos. Inder stellen viele, für europäisches Empfinden oft distanzlose, Fragen, sind aber mit kurzen Antworten zufrieden. Südamerikaner, insbesondere Brasilianer verlieren sich dagegen gerne in endlosen fröhlichen Plaudereien. Floskelhafter Small Talk kommt in Nordamerika gut an, Skandinaviern erscheint dagegen selbst die Frage „How do you do?“ schon prekär nichtssagend. Gleichwohl pflegen sie Understatement: In Schweden nennt selbst ein CEO auf die Frage nach seinem Beruf vermutlich nur die Branche.

Ihren eigenen beruflichen Werdegang sollten Sie daher keineswegs thematisieren. Mit Kritik an Land und Leuten schafft man sich verständlicherweise nirgends Freunde. Enthusiasmus kommt dagegen bestens an. Auf die Frage „Wie gefällt Ihnen Norwegen?“ erwarten die Einheimischen sogar Begeisterungsstürme. Ein einfaches „sehr gut“ wird dort als Beleidigung empfunden. Und für kleinere Länder gilt weltweit: Kulturelle Vergleiche oder gar Verwechslungen mit Nachbarländern oder anderen Staaten im selben Kontinent sind ein absolutes No-Go! Besonders verstimmt reagieren Koreaner, wenn sie mit Chinesen und Japanern in einen Topf geworfen werden.
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