Inhaltsverzeichnis schließen

Inhaltsverzeichnis

Outplacement: Der nächste Karriereschritt

Abschied ohne Tränen

Die Lebensstellung bei einem einzigen Arbeitgeber ist mittlerweile die Ausnahme geworden. „Brüche“ in der Erwerbsbiographie werden längst nicht mehr als Makel wahrgenommen. Vom Großkonzern bis zur mittelständischen Innovationsschmiede setzen viele Arbeitgeber zudem auf eine faire Trennung. Neben Abfindungen gehören immer häufiger Outplacement-Programme zu den Trennungspaketen. Diese sorgen dafür, dass ehemalige Mitarbeiter, vor allem Fach- und Führungskräfte, einen neuen Arbeitsplatz finden, der ihren Qualifikationen und ihren Wünschen entspricht. 70 Prozent der Outplacement-Klienten treten bereits innerhalb von 6 Monaten nach der Trennung ein neues Arbeitsverhältnis an, wie eine aktuelle Studie des Bundesverbandes Deutscher Unternehmensberater BDU e. V. belegt. futuremynd sprach mit Stefan Detzel, dem Vorsitzenden des BDU Fachverbandes Outplacement.

Abschied ohne Tränen
futuremynd: Outplacement sei Teil einer neuen Trennungskultur, hört man jetzt oft. Was ist damit genau gemeint?

S. Detzel: Unternehmen beweisen im Falle einer Trennung ihre Verantwortung gegenüber dem Mitarbeiter. Von ihnen beauftragte Outplacement-Berater unterstützen die Mitarbeiter bei der beruflichen Neuorientierung. Wir sind Coaches, Motivatoren, Begleiter u. v. m. auf dem Weg zum nächsten Karriereschritt.

In der neuen BDU-Studie steht: 91 Prozent der Mitarbeiter können ihre Position halten oder sogar verbessern. Outplacement-Beratung als Karrierebeschleuniger?

S. Detzel:Das ist richtig, in sehr vielen Fällen geht es die Karrieretreppe nach oben.

Woran liegt das, die Fähigkeiten oder Qualifikationen haben sich doch nicht geändert?

S. Detzel:Der Kandidat ändert mit der Outplacement-Beratung seine Einstellung. Er kennt seine Fähigkeiten, seine Perspektiven sowie seine Wünsche besser und kann so optimal vorbereitet auf künftige Arbeitgeber zugehen.

Ist der Mitarbeiter nicht auch niedergeschlagen oder verunsichert?

S. Detzel:Ja, sicher. Eine Trennung ist eben eine Trennung. Hier übernimmt der Outplacement-Berater auch die Rolle des auffangenden Begleiters. Aber die Mitarbeiter stehen nicht mit dem Rücken zur Wand. Sie befinden sich häufig noch in ungekündigter Anstellung und haben genügend Zeit, sich beruflich neu zu positionieren.

Fordert der Outplacement-Berater vom Kandidaten, sich für einen neuen Arbeitgeber neu zu erfinden?

S. Detzel:Auf keinen Fall, wir machen Mut, sich stärker mit den eigenen Möglichkeiten auseinanderzusetzen, aber lassen „die Kirche im Dorf“. Einem erfahrenen Finanzbuchhalter, der gerne im Angestelltenverhältnis arbeitet, die Vorteile der Selbstständigkeit anzupreisen, geht völlig in die falsche Richtung. Vielleicht sucht dieser Kandidat stattdessen ein neues kulturelles Unternehmenskonzept. Beispielsweise weg von einer stark ausgeprägten Firmenhierarchie hin zu familiärer Atmosphäre. Oder der Kandidat möchte sich keine 60-Stunden-Woche mehr antun. Oft begreifen unsere Kandidaten, dass die Suche nach einem neuen Arbeitgeber für sie eine neue Chance ist.

Wie funktioniert aus Ihrer Sicht perfektes Outplacement?

S. Detzel:Die typische Vorgehensweise in qualifizierten Einzeloutplacement-Projekten strukturiert ein BDU Outplacement-Berater in vier Phasen: Zu Beginn steht die Analyse der beruflichen und privaten Situation, die im nächsten Schritt als Grundlage für die Entwicklung der Karriereoptionen dient. Darauf folgt die Erarbeitung einer Kommunikationsstrategie und der geeigneten Bewerbungsunterlagen. Im letzten Schritt erfolgt die Vermittlungsunterstützung, im Rahmen derer der Kandidat aktiv bei der Neuplatzierung unterstützt wird.

Ist der Berater mehr Arbeitsplatzvermittler oder mehr Coach?

S. Detzel:Die Punktlandung im neuen Unternehmen ist wesentlich mehr als eine Arbeitsplatzvermittlung. Wir sind persönliche Karriereberater und werden gern auch von Mitarbeitern in ungekündigter Stellung um Rat gefragt, wenn diese sich umorientieren möchten.

Gibt es einen Unterschied zwischen Männern und Frauen, die Sie beraten?

S. Detzel:Etwa 35 Prozent unserer Klienten sind Frauen. Die beurteilen unser Angebot im Rahmen einer Neuorientierung oft positiver als ihre männlichen Kollegen. Für einige Männer ist der Jobverlust öfter eine bedrohliche Situation und nagt am Selbstwertgefühl. Manche neigen dann dazu, sofort ein neues Stellenangebot anzunehmen. Hauptsache Arbeitsplatz, statt mit der Trennung vom aktuellen Arbeitgeber die gesamte Karrieresituation zu überdenken. Zeit dafür ist in der Outplacement-Phase in der Regel genügend vorhanden.

Nennen Sie uns Situationen, in denen Sie als Berater besonders gefordert sind.

S. Detzel:Der Schlüsselmoment ist sicher der Beginn des Outplacement-Prozesses. Die Kandidaten kommen mehr oder weniger gestresst und emotional aufgewühlt zu uns, besonders diejenigen, die Familie haben. Hier muss der Berater Vertrauen aufbauen. Immer wieder über drohende Arbeitslosigkeit zu reden, wäre nicht zielführend. Der Kandidat hat ja eine äußerst sinnvolle Arbeit: Er soll mit dem Outplacement-Berater an seinem nächsten Karriereschritt arbeiten und sich über neue Möglichkeiten und Optionen bewusst werden.

- Anzeige -
BDU-STUDIE 2012/2013

Faire Personaltrennungen stärken Arbeitgebermarken

Die aktuelle BDU-Studie zur Outplacement-Beratung in Deutschland macht deutlich, dass die faire Trennung von Mitarbeitern von immer mehr Unternehmen als eine Chance verstanden wird, die Arbeitgebermarke zu stärken. Der wertschätzende Umgang mit seinen Mitarbeitern in schwie­rigen Situationen ist Teil einer umfassenden Emplo­yer-Branding-Strategie. Aus einer potenziellen Krisensituation gehen Mitarbeiter und Unternehmen gestärkt hervor.

Der Arbeitgeber übernimmt soziale Verantwortung und setzt ein positives Zeichen für die verbleibende Belegschaft. Kon­flikte und mögliche Ima­geschäden lassen sich vermeiden. Beiden Seiten ersparen sich zeit- und kos­tenintensive rechtliche Auseinan­dersetzungen. Häufig ist die Entscheidung für das Unternehmen kostenneutral, da sich die Restlauf­zeit von Verträgen verkürzt. Strate­gisch eingesetzte Outplacement­-Beratung hat sich als erfolgreiches personalpolitisches Instrument erwiesen und gewinnt in Deutsch­land weiter an Gewicht.

Stefan Detzel, Geschäftsführer der Lee Hecht Harrison Deutschland GmbH, ist 54 Jahre alt und hat Sozialarbeit und BWL studiert. Er ist Vorsitzender des Fachverbands Outplacement im BDU. Herr Detzel begleitet seit vielen Jahren Unternehmen in allen Facetten der personalbezogenen Aspekte einer Restrukturierung, insbesondere auch zur Kommunikation, Führung und Outplacement von Fach- und Führungskräften.