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Richard Branson:

Abgehoben – und doch bodenständig

Tourismus-Verkauf in neuer Dimension: Das ist nur ein Thema von vielen, die Abenteurer und Business-Tycoon Richard Branson höchst aktiv betreibt – und das auf gleichermaßen abgehobene wie bodenständige Art und Weise. Typisch Unternehmer – dieser Mann macht Mut, groß zu denken.

Abgehoben – und doch bodenständig
Richard Branson, geboren 1950 in der Grafschaft Surrey, war ein recht normaler Junge. Doch trotz Kurzsichtigkeit, Legasthenie und durchschnittlicher Schulleistungen bezwang er Widrigkeiten, die manch anderen in die Verzweiflung getrieben hätten.

Als Kind passierte es Richard des Öfteren, dass seine Eltern ihn auf Ausflügen unvermittelt stehen ließen. Den Rückweg sollte er allein finden, um früh „Fähigkeiten zur Krisenbewältigung“ zu entwickeln. Pädagogisch fragwürdig – aber seinem Tatendrang hat’s nicht geschadet: Vorzeitig von der Schule abgegangen, kreierte er zunächst das Jugendmagazin „Student“ und überredete dafür sogar Stars wie John Lennon zum Interview. 1970 folgte gemeinsam mit Freunden die Gründung eines Schallplattenversandhandels: „Virgin“ – der Name, der auch alle weiteren Branson-Unternehmungen prägen sollte – entwickelte sich prächtig. Im Januar 1971 trat die britische Post allerdings in einen Streik, der das junge Unternehmen an den Rand der Pleite führen sollte. Blitzschnell baute Branson – trotz etablierter Konkurrenz – einen Plattenladen in der Londoner Oxford Street auf, warb mit Handzetteln, rettete so die Firma und kreierte damit zugleich ein erfolgreiches Shop-Konzept (heute: Virgin Mega Stores).

Erst erkennen, dann handelnAnfang der 70er startete Branson zusätzlich mit der Produktion eigener Platten – gegen Labels wie EMI und A&M. Ein altes Landhaus bei Oxford verwandelte er in ein Aufnahmestudio, lockte damit bekannte Musiker aus den engen Studios in den englischen Metropolen an, vermietete sein Studio und produzierte darüber hinaus Scheiben mit von ihm gescouteten Musikern. Der damals unbekannte Gitarrist Mike Oldfield war mit seinem Rockmusikprojekt „Tubular Bells“ bei den renommierten Labels abgeblitzt. Branson schlug ein – und „Tubular Bells“ entwickelte sich 1973 zum Welterfolg. A star was born und zugleich ein Millionär: Richard Branson.

Der noch junge Multi-Unternehmer bewahrte sich sein Händchen für hochkarätige Bands: Von ihm produziert, verkauften die Sex Pistols – „radikalste Rockband der Rockgeschichte“ – ihr Album „Never Mind The Bollocks“ millionenfach. Nach deren Auflösung feierte Branson Erfolge mit Bands und Künstlern wie Culture Club, Steve Winwood und Genesis.

Doch der Mann wollte mehr – und diversifizierte: Mitte der 80er bestand sein Reich bereits aus über 50 Firmen, heute sind es über 350! Zu Musik- kamen TV- und Video-Produktionen hinzu, daneben Reise- und Immobilienunternehmen. 1984 hob Branson endgültig ab: Mit Virgin stieg er, trotz härtesten Wettbewerbs, ins Fluggeschäft ein. Er leaste einen Jumbo-Jet, verpflichtete Personal, verkaufte Tickets. Dann die Katastrophe: Zwei Tage vor Eröffnung der Strecke London Gatwick / New York explodierte eines der Triebwerke. Branson ersetzte es für 600.000 Pfund und verhinderte so den Gau. Seine „Maiden Voyager“ hob termingerecht am 22. Juni 1984 ab – und die von ihm gegründete Gesellschaft entwickelte sich zur zweitgrößten Langstrecken-Airline Großbritanniens.

1992 verkaufte Branson seine Virgin Records für eine Milliarde Dollar an Thorn EMI. 1999 stieß er 49 Prozent seiner Airline-Anteile an Singapore Airlines ab – für 600 Millionen Pfund. Und Branson gründete weiter: unter anderem Verlage, Radiosender und Gastronomieketten. Mit 25.000 Mitarbeitern gehört Milliardär Branson heute die größte private Firmengruppe Großbritanniens. Neben hoher Motivation und unerschütterlichem Optimismus lassen sich seine Erfolge auf zentrale Prinzipien zurückführen: Er erforscht konsequent Kundenwünsche, um sie anschließend mit einer „great idea“ zu befriedigen – so einfach also.

Branson wurde von der Queen geadelt, engagiert sich auch karitativ (in der Wirtschaftskrise 2010 gründete er Virgin Money Giving) und pflegt ansonsten recht spezielle Ambitionen: Per Wasserfahrzeug überquerte er den Atlantik schneller als jeder andere. 1986 überflog er den Atlantik als Erster per Ballon. Und sein jüngster Aufbruch bringt ihn den Sternen noch näher: Branson will zum Jahresende 2012 mit seinem Unternehmen Virgin Galactic und dessen Raumschiff Spaceship Two Passagiere 110 Kilometer über die Erdoberfläche in den Weltraum transportieren – drei Minuten Schwerelosigkeit zum Ticketpreis von 200.000 Dollar. Wieder ein neuer Aufbruch.

Selbstvermarktung? Selbstverständlich!

Längst verdient Branson auch als Autor Geld – mit seinem Buch „Geht nicht, gibt’s nicht!“ Im März startete der Mobilfunkprovider Virgin Mobile USA – ein weiteres Branson-Unternehmen – außerdem die TV-Kampagne „A Higher Calling": Die „fantastische Geschichte des jungen Branson“ vermittelt höchst selbstironisch den Werdegang des Virgin-Gründers.