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Psyche und Business

Die Seele reist hinterher …

Immer schneller, immer effizienter, immer mehr Termine – und immer weniger Zeit, durchzuatmen: Dass Geschäftsreisen mit Stress verbunden sind, ist bekannt. Aber wie schafft man dennoch kleine Inseln der Kontemplation, um seelisch und körperlich unversehrt zu bleiben?

Die Seele reist hinterher …


Welche Führungskraft kennt das nicht: kurzfristig angesetzte Reisen, unregelmäßiges Essen, letzte Meeting-Vorbereitung im Flugzeug, ständige Erreichbarkeit? Hinzu kommen lange Wartezeiten am Check-in-Schalter, Flugverspätungen oder -ausfälle, ungünstige Flugzeiten sowie Jetlag-Beschwerden. Geschäftsreisen gehören jedoch längst nicht mehr nur zum Manager-Alltag: Auch immer mehr Fachkräfte und Projektmitarbeiter sind für ihre global aufgestellten Konzerne weltweit unterwegs. Diese Internationalisierung der Arbeitswelt fordert ihren Tribut: Viele Arbeitnehmer fühlen sich dadurch chronisch gehetzt, müde und ausgebrannt.

Dauerhafter Stress belastet die Leistungsfähigkeit im Beruf und geht nicht selten mit komplizierten Symptomen und Krankheitsbildern einher. Definitionsgemäß bezeichnet Stress die durch spezifische äußere Reize (Stressoren) hervorgerufenen psychischen und physiologischen Reaktionen. Diese befähigen uns zur Bewältigung besonderer Anforderungen, setzen uns aber gleichzeitig auch einer körperlichen und geistigen Belastung aus. Stress entsteht durch unterschiedliche Einflussfaktoren: So wirken einerseits externe Stressoren wie Zeitmangel, mangelhafte Organisation und aufreibende Arbeitsplatzbedingungen auf uns ein. Anderseits kämpfen wir mit internen Stressoren, welche durch Anforderungen an uns selbst entstehen und stressverstärkende Denkmuster hervorrufen. Das Maß aller externen und internen Stressoren bestimmt die Höhe des individuellen Stress-Levels (ISL), den jeder Mensch verarbeiten muss. Hierfür verfügt jedes Individuum über Kompetenzen und Reaktionsweisen, die sich oftmals sehr unterschiedlich ausgeprägt darstellen. Sind diese individuellen Mechanismen effektiv, dann kann der entstandene und angehäufte Stress (ISL) positiv genutzt bzw. vollständig verarbeitet werden. Funktionieren diese verarbeitenden Kompetenzen jedoch nicht ausreichend, dann ist der Mensch der Situation nicht gewachsen und es kommt zu Überforderung und starken Stressreaktionen – im Extremfall zum Burnout.

Gefragt: Gleichgewicht!

Wie findet man den Weg aus der Stressfalle? Wie kann ein wirksames Gleichgewicht zwischen Anspannung und Entspannung erreicht werden? Der naheliegende Ausweg – die Reduktion der Arbeitsbelastung – bleibt vielen in unserer leistungs- und wettbewerbsorientierten Gesellschaft verwehrt. Was also tun, wenn die individuellen Kompetenzen nicht ausreichen, um den sich weiter anhäufenden Stress zu bewältigen?

Der erste Schritt für ein effektives Stressmanagement ist das frühzeitige Erkennen von Anfangssymptomen: Schlafstörungen, Herzrasen, Druckgefühl in der Brust, Kopfschmerzen, Magen-Darm-Probleme müssen als Warnsignale unseres Körpers wahrgenommen und verstanden werden. Auch Ungeduld oder leichte Erregbarkeit („ständiges Ausflippen“) deuten darauf hin, dass die Kraft für den Alltag fehlt und die Gefahr besteht, dauerhaft krank zu werden. Denn ist der Körper langanhaltendem Stress ausgesetzt, kann dies zu ernsthaften Erkrankungen wie Depressionen, Herzinfarkt, hohem Blutdruck und Angststörungen führen. Dies zeigen statistische Zahlen in Europa: Bereits 60 Prozent der Fehltage in Unternehmen sind stressbedingt und jeder fünfte Deutsche zeigt typische Stresssymptome. Damit ist dieses Phänomen bereits zu einer Volkskrankheit geworden und stellt mit jährlichen Ausgaben in Milliardenhöhe eine volkswirtschaftlich wichtige Größe dar.

Reif für die Insel

Was können Reisende konkret zur Stressbewältigung leisten? Um seelisch und körperlich unversehrt zu bleiben, müssen kleine „Inseln der Kontemplation“ geschaffen werden: Bewusst eingebaute regenerative Einheiten auf unseren Geschäftsreisen lassen unseren Geist wieder zu Kräften kommen und schärfen die Sinne, sodass wir wieder deutlich leistungsfähiger sind. Anstatt drei verschiedene Tageszeitungen mit ins Flugzeug zu nehmen, sollten Reisende die kurze Flugzeit nutzen, um einzelne Entspannungstechniken anzuwenden. Aufgrund der aufrecht sitzenden Position in Flugzeug oder Bahn eignen sich beispielsweise Übungen zur Progressiven Muskelrelaxation nach Jacobson oder verschiedene Atemübungen.
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Man sollte sich auf seiner Reise eine kurze Zeit gönnen, in der man den hektischen Alltag vergisst und fünf Minuten die Augen schließt. Man kann zum Beispiel eine schöne Entspannungsmusik hören und ganz bewusst daran denken, dass man in diesem Moment eine Pause macht und sich um nichts anderes kümmern muss. Man kann aber auch die Augen schließen, die Hände auf den Bauch legen und fünf Minuten lang ganz langsam und bewusst durch die Nase in den Bauch ein- und wieder ausatmen. Baut man diese kleinen Pausen bewusst in seinen Reisealltag ein, wird man sehr schnell erkennen, dass man damit bereits erste wirkungsvolle Schritte zur Erhöhung des persönlichen Wohlbefindens unternimmt.

Das moderne Arbeitsleben wird weiterhin geprägt sein von hohem Termindruck und häufigen Geschäftsreisen. Erkennt man jedoch frühzeitig stressbedingte Beschwerden und ist bereit, neue Wege für eine bewusste und stressfreie Lebensführung zu lernen und anzuwenden, wird die Seele endlich nicht mehr länger hinterherreisen müssen.

Buch-Neuerscheinung:

Ende September erscheint das Buch „Stress abbauen mit ROME® – in 4x4 Schritten zu mehr Wohlbefinden und Leistungsfähigkeit“. Die Autoren Herbert Forster und Dr. Philip Janda beschreiben darin das Anti-Stress-Programm ROME-System®: eine Methodik, mit deren Hilfe es gelingt, sich von negativen Auswirkungen seines individuellen Stress-Levels zu befreien. Fallbeispiele gewährleisten die schnelle Umsetzbarkeit im Alltag.



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